Veröffentlicht am April 12, 2024

Der Schlüssel zu einer Genossenschaftswohnung in Zürich liegt nicht im Glück, sondern in einer durchdachten Strategie, die Ihre Finanzen, Ihr Engagement und Ihr Lebensprofil gezielt auf die passende Genossenschaft ausrichtet.

  • Die Finanzierung der Anteilscheine ist durch eine Kombination aus Vorsorgegeldern, Krediten und familiärer Unterstützung systematisch planbar.
  • Die geforderte Mitarbeit ist oft minimal, und die Wohnsicherheit übersteigt die von privaten Mietverhältnissen bei Weitem, da Kündigungen wegen Eigenbedarf praktisch ausgeschlossen sind.

Empfehlung: Beginnen Sie nicht mit der Bewerbung, sondern mit der Analyse Ihres eigenen Profils und der gezielten Auswahl von Genossenschaften, deren Werte und Anforderungen zu Ihnen passen.

Auf dem überhitzten Zürcher Wohnungsmarkt gleicht die Suche nach einer bezahlbaren Bleibe oft einem Lotteriespiel. Viele Suchende melden sich bei unzähligen Wohnbaugenossenschaften an, in der vagen Hoffnung, irgendwann einen Glückstreffer zu landen. Sie hören von langen Wartelisten, hohen Anteilscheinen und unklaren Anforderungen an die Mitarbeit, was schnell zu Frustration und Resignation führen kann. Dieser Ansatz ist verständlich, aber selten erfolgreich.

Doch was wäre, wenn der Weg zur Genossenschaftswohnung weniger ein Glücksspiel und mehr eine strategische Lebensentscheidung wäre? Wenn es nicht darum ginge, sich wahllos überall anzumelden, sondern das System zu verstehen und sich gezielt dort zu positionieren, wo die eigenen Werte, die finanzielle Situation und die persönlichen Lebensumstände perfekt auf das Profil der Genossenschaft treffen? Genau dieser Perspektivwechsel ist der Schlüssel zum Erfolg. Es geht darum, sich von einem passiven Hoffenden zu einem aktiven, informierten Bewerber zu entwickeln.

Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden strategischen Überlegungen. Wir demontieren die grössten Hürden – von der Finanzierung der Anteilscheine bis zur Angst vor Zwangsverpflichtungen – und zeigen Ihnen, wie Sie eine informierte Entscheidung treffen. Sie lernen, die Unterschiede zwischen alten und neuen Genossenschaften zu bewerten, die wahren Kosten von Sicherheit im Alter zu vergleichen und moderne Wohnformen wie Cluster-Wohnungen als Chance zu begreifen. So wird aus der frustrierenden Suche ein strukturierter Plan für Ihr zukünftiges, sicheres Zuhause.

Die folgende Übersicht fasst die zentralen Themen zusammen, die wir detailliert beleuchten werden. Jeder Abschnitt liefert Ihnen das notwendige Wissen, um Ihre persönliche Strategie für den erfolgreichen Eintritt in eine Zürcher Wohnbaugenossenschaft zu entwickeln.

Woher nehmen Sie das Kapital für die hohen Anteilscheine (30’000+ CHF)?

Die erste und oft grösste Hürde auf dem Weg zur Genossenschaftswohnung ist der Erwerb der Anteilscheine. Beträge von 30’000 CHF oder mehr sind keine Seltenheit und wirken abschreckend. Doch anstatt dies als unüberwindbares Hindernis zu sehen, sollten Sie es als eine strategische Investition in Ihre Wohnsicherheit betrachten. Der Schlüssel liegt in der Erstellung einer soliden Finanzierungs-Architektur, die verschiedene Quellen intelligent kombiniert.

Anstatt auf eine einzige Lösung zu hoffen, sollten Sie systematisch alle verfügbaren Optionen prüfen. Dazu gehören sowohl private als auch institutionelle Mittel. Die Visualisierung dieses Finanzierungsplans hilft, die Komplexität zu reduzieren und einen klaren Weg aufzuzeigen.

Detailaufnahme von Schweizer Finanzunterlagen und Familienberatung für Genossenschaftsfinanzierung

Wie auf dem Bild angedeutet, ist die Planung oft eine generationenübergreifende Aufgabe. Ein Darlehen innerhalb der Familie kann eine zinsgünstige Option sein, erfordert aber klare vertragliche Regelungen, um Konflikte zu vermeiden. Gleichzeitig bieten die Schweizer Vorsorgesysteme spezifische Möglichkeiten, die oft ungenutzt bleiben. Eine sorgfältige Prüfung Ihrer finanziellen Gesamtsituation ist daher der erste Schritt zu einer erfolgreichen Finanzierung.

Ihr Plan zur Finanzierung der Genossenschaftsanteile

  1. Finanzierungsquellen identifizieren: Listen Sie alle potenziellen Kanäle auf, aus denen Kapital fliessen könnte: Vorsorgegelder (BVG 2. Säule, Säule 3a), Privatkredite, kantonale Bürgschaften (z.B. in Zürich) und private Darlehen (Familie/Freunde).
  2. Unterlagen zusammentragen: Sammeln Sie alle relevanten Dokumente wie Ihre aktuellen Pensionskassenauszüge, Angebote für Privatkredite von Schweizer Banken und Entwürfe für Darlehensverträge.
  3. Optionen abwägen: Vergleichen Sie die Konditionen der verschiedenen Finanzierungsquellen. Berücksichtigen Sie dabei nicht nur Zinssätze, sondern auch steuerliche Konsequenzen, insbesondere bei einem Vorbezug von Pensionskassengeldern.
  4. Emotionale und finanzielle Kosten bewerten: Wägen Sie die Vor- und Nachteile ab. Ein zinsloses Familiendarlehen kann emotional belastend sein, während ein Bankkredit klare finanzielle Kosten verursacht, aber Unabhängigkeit sichert.
  5. Finanzierungsmix festlegen: Erstellen Sie einen konkreten Plan, der die ausgewählten Quellen kombiniert, um den benötigten Betrag für die Anteilscheine zu decken und die monatliche Belastung tragbar zu halten.

Hauswartung und GV: Was wird von Genossenschaftern an Mitarbeit erwartet?

Die Vorstellung, neben Miete auch noch unbezahlte Arbeit leisten zu müssen, schreckt viele Interessenten ab. Geschichten von verpflichtenden Putzaktionen und endlosen Sitzungen an der Generalversammlung (GV) nähren die Sorge vor einem „Zwangskollektiv“. Doch die Realität ist weitaus differenzierter. Das geforderte Engagement bewegt sich auf einem breiten Partizipations-Spektrum, das von minimal bis intensiv reicht.

Die grosse Mehrheit der Genossenschaften erwartet nur einen sehr geringen Beitrag. Oft beschränkt sich dieser auf die Teilnahme an der jährlichen GV, bei der über wichtige Belange der Siedlung abgestimmt wird – ein Recht, das Ihre Position als Mitbesitzer stärkt. Zusätzliche Arbeiten sind häufig freiwillig oder auf wenige Stunden pro Jahr begrenzt. Tatsächlich verlangen laut einer Erhebung der Wohnbaugenossenschaften Zürich mehr als 75% der Genossenschaften weniger als 10 Stunden Mitarbeit pro Jahr. Dies widerlegt den Mythos der hohen Arbeitsbelastung deutlich.

Entscheidend ist, bei der Auswahl der Genossenschaft genau hinzusehen und eine zu finden, deren Partizipationsmodell zu Ihrem Lebensstil passt. Während manche bewusst auf eine hohe Selbstverwaltung setzen, legen andere den Fokus auf günstigen Wohnraum mit minimalen Verpflichtungen.

Beispiele für Partizipationsmodelle in Zürich

Die Vielfalt der Modelle lässt sich gut an drei grossen Zürcher Genossenschaften illustrieren: Die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ), eine der grössten der Schweiz, erwartet mit ihren 58 Siedlungen eine minimale Mitarbeit von nur 2-4 Stunden jährlich, meist für einfache Gartenpflege. Im Gegensatz dazu setzt die junge Genossenschaft Kraftwerk1 auf ein Modell intensiver Selbstverwaltung mit regelmässigen Treffen in Arbeitsgruppen, was ein hohes Engagement voraussetzt. Dazwischen positioniert sich die Familienheim-Genossenschaft, die auf quartalsweise organisierte Gemeinschaftsaktionen setzt. Ein höheres Engagement kann sich lohnen: Bei vielen Genossenschaften werden engagierte Mitglieder bei internen Wohnungswechseln bevorzugt behandelt.

Warum wohnen Sie in der Genossenschaft sicherer als beim privaten Vermieter?

Günstige Mieten sind nur ein Vorteil des genossenschaftlichen Wohnens. Der vielleicht noch wichtigere, aber oft unterschätzte Aspekt ist die unvergleichliche Wohnsicherheit. Diese Sicherheit ist nicht nur ein Gefühl, sondern ein handfester rechtlicher und struktureller Vorteil, der das Genossenschaftsmodell fundamental vom privaten Mietmarkt unterscheidet. Man kann es als Wohnsicherheit als Vermögenswert betrachten: Sie erwerben nicht nur eine Wohnung, sondern ein faktisch lebenslanges und krisenfestes Wohnrecht.

Der zentrale Unterschied liegt im Zweck der Organisation. Private Vermieter sind oft renditeorientiert, was zu Mietzinserhöhungen nach Marktlage, befristeten Verträgen und im schlimmsten Fall zur Kündigung wegen Eigenbedarfs führen kann. Eine Genossenschaft hingegen verfolgt das Ziel der dauerhaften, sicheren und kostengünstigen Wohnraumversorgung für ihre Mitglieder. Sie sind kein Mieter, sondern Mitbesitzer. Dieser Status schützt Sie wirksam vor den Unsicherheiten des freien Marktes.

Diese strukturellen Unterschiede manifestieren sich in konkreten Vorteilen, die im Mietalltag den entscheidenden Unterschied ausmachen, wie eine vergleichende Analyse des Schweizer Mieterschutzes zeigt.

Mieterschutz: Genossenschaft vs. Privater Vermieter in der Schweiz
Kriterium Genossenschaft Privater Vermieter
Kündigung wegen Eigenbedarf Praktisch ausgeschlossen Nach Art. 261 OR möglich
Befristete Mietverträge Sehr selten Zunehmend häufig
Mietpreiserhöhungen Nur kostendeckend Marktüblich möglich
Wohnrecht Faktisch lebenslang Kündigungsfristen gemäss OR

Diese rechtliche Absicherung wird auch von politischen Akteuren als zentraler Pfeiler der Wohnungspolitik anerkannt. Wie Sarah Wyss in einer Diskussion zur Wohnungspolitik betonte:

Das unbefristete Wohnrecht in Genossenschaften bietet eine Sicherheit, die weit über normale Mietverträge hinausgeht – solange die genossenschaftlichen Pflichten erfüllt werden.

– Sarah Wyss, Interview SRF Arena zur Wohnungspolitik

Unterbelegung: Müssen Sie ausziehen, wenn die Kinder aus dem Haus sind?

Für viele langjährige Bewohner, insbesondere Senioren, ist es eine der grössten Sorgen: Die Kinder sind ausgeflogen, die grosszügige Familienwohnung ist nun zu gross und gilt als „unterbelegt“. Führt dies unweigerlich zur Kündigung und zum Verlust des vertrauten Zuhauses? In der rauen Welt des privaten Mietmarktes mag dies eine reale Gefahr sein. In einer Genossenschaft ist die Realität jedoch eine andere, da der soziale Gedanke im Vordergrund steht.

Genossenschaften sind sich der emotionalen und sozialen Bedeutung des Wohnumfelds bewusst. Ein erzwungener Auszug aus der angestammten Siedlung widerspricht ihrem Grundgedanken. Stattdessen haben die meisten fortschrittlichen Genossenschaften sozialverträgliche und proaktive Modelle für den Umgang mit Unterbelegung entwickelt. Das Ziel ist nicht, Mitglieder loszuwerden, sondern eine für alle Seiten faire Lösung zu finden, die den wertvollen sozialen Kontakten Rechnung trägt. Eine Auswertung grosser Zürcher Genossenschaften zeigt, dass sich in 85% der Fälle eine interne Tausch-Lösung innerhalb der Siedlung oder der Genossenschaft finden lässt.

Sozialverträgliches Unterbelegungs-Management der WOGENO Zürich

Die WOGENO Zürich ist ein hervorragendes Beispiel für einen humanen Umgang mit diesem Thema. Anstatt Druck auszuüben, sucht die Genossenschaft proaktiv das Gespräch mit Mitgliedern, bei denen eine Unterbelegung absehbar ist – oft schon Jahre im Voraus. Der Fokus liegt klar auf dem Angebot eines internen Wohnungstauschs. Senioren, die ihre grosse Familienwohnung aufgeben, erhalten Priorität bei der Vergabe von kleineren, oft altersgerechten und barrierearmen Wohnungen innerhalb derselben Siedlung. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass das soziale Netzwerk, die Nachbarn und die vertraute Umgebung erhalten bleiben, während gleichzeitig grösserer Wohnraum für junge Familien frei wird.

Die Angst, im Alter das Zuhause verlassen zu müssen, ist in einer gut geführten Genossenschaft also weitgehend unbegründet. Stattdessen wird der Wechsel in eine passendere Wohnung als gemeinschaftlicher Prozess gestaltet.

Was sind „junge“ Genossenschaften und wie unterscheiden sie sich von den „alten“?

Nicht alle Genossenschaften sind gleich. Bei der strategischen Suche nach der passenden Wohnung ist es entscheidend, den Unterschied zwischen „alten“, etablierten und „jungen“, innovativen Genossenschaften zu verstehen. Diese Unterscheidung hat direkte Auswirkungen auf die Höhe der Anteilscheine, die Mietpreise, die Wartezeiten und vor allem auf die Kultur und die angebotenen Wohnformen. Die Wahl zwischen „alt“ und „jung“ ist eine Frage der Profil-Passung: Was passt am besten zu Ihrer aktuellen Lebensphase, Ihren finanziellen Möglichkeiten und Ihren Wünschen an die Gemeinschaft?

Alte Genossenschaften, oft vor 1980 gegründet, profitieren von längst amortisierten Bauten und günstigem Bauland. Dies führt zu unschlagbar tiefen Mieten und oft niedrigeren Anteilscheinen. Der Nachteil: Die Wartelisten sind extrem lang, und die Wohnungen entsprechen oft klassischen Grundrissen. Junge Genossenschaften, die nach 2000 entstanden sind, mussten zu aktuellen Preisen bauen. Ihre Mieten und Anteilscheine sind daher höher, aber immer noch deutlich unter dem Marktniveau. Dafür sind die Wartezeiten bei Neuprojekten kürzer, und sie punkten mit modernen, nachhaltigen Bauten und innovativen Wohnformen wie Cluster-Wohnungen oder Joker-Zimmern.

Die architektonische Gestaltung spiegelt oft die Philosophie der jeweiligen Generation wider – von traditionell-funktional bis zu modern-gemeinschaftlich.

Architektonischer Vergleich zwischen traditioneller und moderner Genossenschaftssiedlung in Zürich

Die Entscheidung hängt von Ihrer Prioritätensetzung ab. Suchen Sie primär den günstigsten Preis und bringen viel Geduld mit, ist eine alte Genossenschaft ideal. Legen Sie mehr Wert auf Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und innovative Wohnkonzepte und können ein höheres Anteilschein-Kapital aufbringen, könnte eine junge Genossenschaft die bessere Wahl sein, wie ein direkter Vergleich der Kennzahlen verdeutlicht.

Vergleich alte vs. junge Genossenschaften in Zürich
Merkmal Alte Genossenschaften (vor 1980) Junge Genossenschaften (nach 2000)
Anteilschein CHF 5’000-15’000 CHF 20’000-60’000
Durchschnittsmiete 4-Zimmer CHF 1’200-1’600 CHF 1’800-2’400
Warteliste 5-10 Jahre 1-3 Jahre bei Neuprojekten
Fokus Günstiger Wohnraum Nachhaltigkeit & Gemeinschaft
Wohnformen Klassische Familienwohnungen Cluster, Grosshaushalte, Joker-Zimmer

Wie fördern Cluster-Wohnungen in Genossenschaften den Austausch ohne Zwang?

Cluster-Wohnungen sind eine der spannendsten Innovationen junger Genossenschaften und bieten eine Antwort auf die wachsende Nachfrage nach flexiblen und gemeinschaftlichen Lebensformen. Sie sind weit entfernt von der klassischen WG und bieten eine intelligente Balance zwischen privatem Rückzug und freiwilligem Austausch. Das Konzept ist einfach: Mehrere kleine, private Einheiten mit eigenem Zimmer und Bad gruppieren sich um grosszügige, gemeinsam genutzte Flächen wie Küche, Wohnzimmer oder Terrassen.

Der entscheidende Vorteil dieses Modells liegt in seiner Architektur und Organisation, die Begegnungen fördert, ohne sie zu erzwingen. Breite Gänge, offene Küchen und gut platzierte Gemeinschaftsräume schaffen „geplante Zufälligkeiten“ – kurze, ungezwungene Gespräche im Alltag, die das soziale Gefüge stärken. Gleichzeitig garantiert die private Wohneinheit einen vollwertigen Rückzugsort. Die Teilnahme an gemeinsamen Aktivitäten wie Kochabenden oder Projekten ist stets freiwillig. Dies verhindert den „WG-Stress“ und ermöglicht es jedem, das Mass an Gemeinschaft selbst zu bestimmen.

Das Cluster-Wohnkonzept der Genossenschaft Kalkbreite in Zürich

Die Genossenschaft Kalkbreite ist ein Pionier dieser Wohnform. In ihren Siedlungen gruppieren sich 5-12 private Zimmer um eine grosse Gemeinschaftsküche und ein gemeinsames Wohnzimmer. Die Architektur mit Sichtachsen und einladenden Gemeinschaftsbereichen ermöglicht spontane Begegnungen. Ein besonderes Merkmal sind flexibel zumietbare „Jokerzimmer“ für Gäste oder temporären Arbeitsplatzbedarf. Professionelle Moderatoren begleiten die Bewohner in der Anfangsphase und organisieren auf freiwilliger Basis wöchentliche Kochabende. Finanziell ist das Modell ebenfalls attraktiv: Obwohl die Miete pro Quadratmeter marktüblich sein kann, sinken die individuellen Gesamtwohnkosten durch die geteilten Flächen oft um 20-30%.

Für den Erfolg von Cluster-Wohnungen sind einige Faktoren entscheidend:

  • Klare Rückzugsmöglichkeiten: Jedes Mitglied verfügt über einen abschliessbaren Privatbereich mit eigenem Bad.
  • Freiwillige Teilnahme: Alle Gemeinschaftsaktivitäten, von Kochen bis Putzen, sind Angebote, keine Pflichten.
  • Professionelle Begleitung: Insbesondere in der Anfangsphase helfen ausgebildete Moderatoren, Regeln zu etablieren und Konflikte zu lösen.
  • Transparente Kosten: Eine faire und nachvollziehbare Aufteilung der Nebenkosten ist unerlässlich.
  • Exit-Strategie: Die Möglichkeit, bei veränderten Lebensumständen in eine konventionelle Wohnung innerhalb derselben Genossenschaft zu wechseln, bietet zusätzliche Sicherheit.

Betreutes Wohnen oder Altersresidenz: Was kostet die Sicherheit wirklich?

Für Senioren stellt sich die Frage nach der Wohnform im Alter oft mit besonderer Dringlichkeit. Die Entscheidung zwischen dem Verbleib in der eigenen Wohnung mit Spitex-Unterstützung, dem Umzug in eine teure Altersresidenz oder dem Leben in einer Genossenschaft hat weitreichende finanzielle und persönliche Konsequenzen. Oft wird Sicherheit mit hohen Kosten gleichgesetzt, doch eine strategische Betrachtung zeigt, dass die Genossenschaft hier eine unschlagbare Balance aus Autonomie, Sicherheit und Vermögenserhalt bietet.

Eine private Mietwohnung mit ambulanter Pflege durch die Spitex ermöglicht zwar lange Autonomie, birgt aber die Risiken des freien Marktes wie Kündigung und Mietzinserhöhungen. Premium-Altersresidenzen bieten ein Rundum-sorglos-Paket, doch die extrem hohen monatlichen Kosten führen oft zu einem schnellen Verzehr des angesparten Vermögens. Die Genossenschaftswohnung, kombiniert mit bedarfsgerechter Spitex-Hilfe, stellt hier den goldenen Mittelweg dar. Die Mieten sind deutlich tiefer, das Wohnrecht ist gesichert, und das in die Anteilscheine investierte Kapital bleibt als Vermögen erhalten und ist vererbbar.

Eine noch günstigere, aber oft mit langen Wartezeiten verbundene Alternative sind die Wohnungen von gemeinnützigen Stiftungen wie der Stiftung für Alterswohnungen (SAW) in Zürich. Ein direkter Kostenvergleich verschiedener Wohnformen in Zürich macht die finanziellen Unterschiede deutlich, wie Daten der Stadt Zürich zeigen.

Kostenvergleich von Wohnformen für Senioren in Zürich (Richtwerte)
Wohnform Monatliche Kosten Einmalkosten Vermögenserhalt
Private Miete + Spitex CHF 2’800-3’500 Kaution CHF 6’000 Kaution zurück
Altersresidenz Premium CHF 5’000-8’000 Depot CHF 50’000 Vermögen wird aufgebraucht
Genossenschaft mit Spitex-Option CHF 1’800-2’500 Anteil CHF 30’000 Anteil bleibt Vermögen/vererbbar
Stiftung Alterswohnungen (SAW) CHF 1’500-2’000 Minimal Kein Vermögensverzehr

Diese Zahlen untermauern die Einschätzung von Fachexperten. Adrian Achermann vom Verband Wohnen Schweiz fasst den zentralen Vorteil zusammen:

Die Genossenschaftslösung ermöglicht den längsten Erhalt von Autonomie bei gleichzeitiger Vermögenssicherung für die Erben.

– Adrian Achermann, Wohnen Schweiz Verband

Die finanzielle Analyse ist ein entscheidender Baustein Ihrer Zukunftsplanung. Die wahren Kosten der Sicherheit zu kennen, ermöglicht eine fundierte Entscheidung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Strategie vor Aktion: Der Erfolg hängt von der gezielten Auswahl einer passenden Genossenschaft ab, nicht von der Anzahl der Bewerbungen.
  • Sicherheit als Kernwert: Genossenschaften bieten ein faktisch lebenslanges Wohnrecht und Schutz vor Marktlaunen, was sie zu einer sicheren Lebensinvestition macht.
  • Flexibilität im System: Von der Finanzierung über die Mitarbeit bis zum Umgang mit Unterbelegung – das Genossenschaftsmodell ist flexibler und sozialer als oft angenommen.

Wie werden öffentliche Plätze zu seniorengerechten Treffpunkten?

Eine hohe Lebensqualität im Alter hängt nicht nur von der Wohnung selbst ab, sondern massgeblich auch von der Gestaltung des direkten Umfelds. Fortschrittliche Genossenschaften haben erkannt, dass gut gestaltete Aussenräume und öffentliche Plätze entscheidend sind, um soziale Interaktion zu fördern, die Mobilität zu sichern und die Bewohner zum Verweilen einzuladen. Es geht darum, inklusive Treffpunkte zu schaffen, die den Bedürfnissen aller Generationen, insbesondere aber denen von Senioren, gerecht werden.

Dies geht weit über das einfache Aufstellen von ein paar Bänken hinaus. Eine durchdachte, seniorengerechte Gestaltung berücksichtigt Aspekte wie Barrierefreiheit, Sicherheit und Komfort. Breite, rutschfeste Wege sind für Rollator-Benutzer unerlässlich, eine gute Beleuchtung sorgt für Sicherheit am Abend, und ausreichend Sitzgelegenheiten in regelmässigen Abständen ermöglichen Pausen. Elemente wie Hochbeete erlauben rückenschonendes Gärtnern und werden zu sozialen Ankerpunkten, während überdachte Bereiche wetterunabhängige Treffen ermöglichen.

Generationenplatz im Hunziker Areal (‚Mehr als Wohnen‘)

Die Genossenschaft ‚Mehr als Wohnen‘ im Zürcher Hunziker Areal ist ein Vorzeigeprojekt für die Gestaltung von Aussenräumen. In der Siedlung mit über 1’200 Bewohnern wurden die Innenhöfe gezielt als Generationen-Treffpunkte konzipiert. Es gibt Hochbeete, die Gartenarbeit im Stehen ermöglichen, zahlreiche überdachte Sitzgruppen als Wetterschutz und durchgehend breite, rutschfeste Wege. Eine Besonderheit ist die „AG Aussenraum“, eine Arbeitsgruppe mit hohem Seniorenanteil, die aktiv über die Gestaltung mitentscheidet. Der Erfolg ist messbar: Eine interne Studie zeigte, dass 78% der über 65-jährigen Bewohner die Aussenräume täglich nutzen, verglichen mit nur 34% in konventionellen Siedlungen ohne solche Angebote.

Die Schaffung solcher Plätze ist ein aktiver Prozess, der auf bewährten Prinzipien beruht:

  • Sitzgelegenheiten: Bänke mit Arm- und Rückenlehnen sollten etwa alle 50 Meter platziert werden.
  • Beleuchtung: Wege benötigen eine Beleuchtungsstärke von mindestens 20 Lux für ein sicheres Gefühl nach Einbruch der Dunkelheit.
  • Gartenarbeit: Hochbeete mit einer Arbeitshöhe von ca. 80 cm ermöglichen Gärtnern ohne Bücken.
  • Wetterschutz: Überdachte Bereiche oder Pergolen sind entscheidend für eine wetterunabhängige Nutzung.
  • Bodenbeläge: Diese müssen absolut rutschfest und eben sein, um für Rollatoren und Gehhilfen geeignet zu sein.
  • Aktivität: Generationenspielplätze mit einfachen Fitnessgeräten für Senioren fördern die Bewegung und den Austausch.

Bei der Wahl Ihrer zukünftigen Genossenschaft sollten Sie daher immer auch einen Blick auf die Gestaltung der Aussenanlagen werfen, denn diese Räume sind ein Indikator für die Lebensqualität vor Ort.

Der Weg zur Genossenschaftswohnung in Zürich ist eine Reise, die mit strategischer Planung und Geduld zum Erfolg führt. Anstatt sich vom Wettbewerb entmutigen zu lassen, nutzen Sie das Wissen aus diesem Leitfaden, um Ihre Chancen gezielt zu maximieren. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr persönliches Wohnprofil zu erstellen und die Genossenschaften zu identifizieren, die wirklich zu Ihnen und Ihrem Leben passen.

Geschrieben von Thomas Zürcher, Architekt FH und Berater für hindernisfreies Bauen nach SIA 500. Spezialisiert auf altersgerechte Wohnraumanpassungen, Treppenlifte und Sicherheitstechnik.