Veröffentlicht am März 15, 2024

Die Angst vor einem Sturz lähmt viele Senioren. Der Schlüssel zu mehr Sicherheit liegt jedoch nicht im Stillstand, sondern in gezielten, täglichen Routinen, die den Körper aktiv stärken.

  • Gezielter Muskelaufbau ist wirksamer als Spaziergänge, um Kraftreserven für den Notfall zu schaffen.
  • Kleine Alltagshelfer und das richtige Schuhwerk minimieren Risiken, ohne die Selbstständigkeit einzuschränken.

Empfehlung: Beginnen Sie heute mit einer der vorgestellten Übungen, um das Vertrauen in Ihren Körper schrittweise zurückzugewinnen.

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, ein plötzlicher Schwindelanfall – und schon ist es passiert. Die Furcht vor einem Sturz und einem möglichen Knochenbruch ist für viele Senioren in der Schweiz ein ständiger Begleiter, der die Lebensqualität und Mobilität stark einschränken kann. Oft hören wir die gut gemeinten Ratschläge: „Passen Sie auf Stolperfallen auf“ oder „Sorgen Sie für gutes Licht“. Diese passiven Massnahmen sind zweifellos wichtig, aber sie kratzen nur an der Oberfläche des Problems und adressieren nicht die Wurzel der Unsicherheit.

Doch was wäre, wenn der wirksamste Schutz nicht darin bestünde, die Welt um uns herum zu polstern, sondern den eigenen Körper zur Festung zu machen? Wenn es nicht um reine Vermeidung, sondern um aktive Körperkompetenz ginge? Als Physiotherapeut sehe ich täglich, dass wahre Sicherheit von innen kommt – aus gezielt aufgebauter Kraft, stabilen Gelenken und automatisierten Sicherheitsroutinen. Es geht darum, die Kontrolle zurückzugewinnen und dem eigenen Körper wieder voll und ganz vertrauen zu können. Proaktive Vorsorge ist der entscheidende Schritt weg von der Angst und hin zu einem selbstbestimmten, mobilen Leben.

Dieser Artikel führt Sie weg von der reinen Gefahrenvermeidung hin zur proaktiven Selbstermächtigung. Wir werden gemeinsam entdecken, welche täglichen Gewohnheiten in Ihrem Alltag in der Schweiz wirklich einen Unterschied machen – von der Ernährung über die richtigen Übungen bis hin zum bewussten Umgang mit alltäglichen Gegenständen wie Brillen und Schuhen. Machen Sie sich bereit, Ihre Mobilität neu zu definieren.

Warum ist Muskelaufbau ab 70 wichtiger als reines Spazierengehen?

Ein täglicher Spaziergang ist wunderbar für Herz und Kreislauf, doch zur effektiven Sturzprävention ist er nur die halbe Miete. Ab einem gewissen Alter verlieren wir stetig an Muskelmasse – ein Prozess, der als Sarkopenie bekannt ist. Diese schwindende Muskelkraft ist der Hauptgrund für Gleichgewichtsprobleme und eine verlangsamte Reaktionsfähigkeit bei einem Stolperer. Hier geht es nicht um Bodybuilding, sondern um den Aufbau einer funktionalen Kraftreserve. Diese Reserve ist Ihr persönlicher „Airbag“: Sie fängt Sie auf, wenn Sie aus dem Tritt geraten, und gibt Ihnen die Stärke, sich wieder zu stabilisieren, anstatt zu fallen.

Gezieltes Krafttraining, selbst mit geringer Intensität, stimuliert den Muskelerhalt und -aufbau wesentlich effektiver als reine Ausdauerbelastung. Wie die nationale Kampagne ’sicher stehen – sicher gehen‘ von Pro Senectute Schweiz zeigt, haben gezielte Kraft- und Gleichgewichtskurse einen nachweislich positiven Einfluss. Es geht darum, Übungen in den Alltag zu integrieren, die genau die Muskelgruppen ansprechen, die für Stabilität sorgen. Denken Sie an einfache Übungen, die Sie beim Warten auf den Kaffee oder beim Zähneputzen machen können.

Hier sind einige Beispiele für eine solche alltagsintegrierte Routine:

  • Vom Stuhl aufstehen ohne Armhilfe: Versuchen Sie, dies 10-15 Mal zu wiederholen, idealerweise vor jeder Mahlzeit.
  • Auf einem Bein stehen beim Zähneputzen: Halten Sie die Position für 30 Sekunden pro Bein. Das schult exzellent das Gleichgewicht.
  • Zehenspitzenstand an der Küchenarbeitsplatte: Machen Sie 3 Sätze à 10 Wiederholungen, während das Wasser kocht.
  • Treppen bewusst nutzen: Nehmen Sie die Treppe statt des Lifts und steigen Sie bewusst langsam, um die Beinmuskulatur zu fordern.

Wie decken Sie Ihren Kalziumbedarf ohne Unmengen an Milchprodukten?

Starke Knochen sind die zweite Säule der Sturzprävention. Kalzium ist hierfür der entscheidende Baustein, doch viele Menschen vertragen im Alter Laktose schlechter oder möchten ihren Konsum von Milchprodukten reduzieren. Die gute Nachricht: Die Schweizer Natur und Supermärkte bieten hervorragende, milchfreie Alternativen, um Ihren täglichen Bedarf von etwa 1000-1200 mg Kalzium zu decken. Eine oft übersehene, aber äusserst effektive Quelle ist kalziumreiches Mineralwasser. Marken wie Eptinger oder Valser sind nicht nur Durstlöscher, sondern auch signifikante Kalziumlieferanten.

Darüber hinaus ist grünes Gemüse ein wahrer Kalzium-Champion. Insbesondere Federkohl (Grünkohl), aber auch Fenchel, Brokkoli und Rucola enthalten grosse Mengen des wertvollen Minerals in einer Form, die der Körper gut aufnehmen kann. Ergänzt durch eine Handvoll Nüsse und Samen, wie Mandeln oder Sesam, lässt sich der Kalziumhaushalt leicht und abwechslungsreich optimieren. Die Kombination aus kalziumreichem Wasser und Gemüse sorgt für eine solide Basis für Ihre Knochengesundheit.

Frische grüne Gemüse und Mineralwasserflaschen auf Schweizer Holztisch arrangiert

Die folgende Tabelle, basierend auf Daten der Rheumaliga Schweiz, gibt Ihnen einen konkreten Überblick über den Kalziumgehalt ausgewählter Schweizer Lebensmittel und Mineralwässer, die eine hervorragende Alternative zu Milchprodukten darstellen.

Kalziumgehalt in Schweizer Lebensmitteln und Mineralwässern
Lebensmittel/Getränk Portion Kalzium (mg) % des Tagesbedarfs*
Eptinger Mineralwasser 500ml 275 28%
Valser Mineralwasser 500ml 215 22%
Federkohl (gekocht) 200g 380 38%
Fenchel (roh) 150g 165 17%
Mandeln 30g 75 8%

Gleitsichtbrille auf der Treppe: Warum ist das eine gefährliche Kombination?

Die Gleitsichtbrille ist eine geniale Erfindung für den Alltag, da sie scharfes Sehen in der Ferne und in der Nähe ermöglicht. Auf der Treppe wird sie jedoch zu einer erheblichen und oft unterschätzten Gefahrenquelle. Der untere Teil der Gläser ist für die Nahsicht (z.B. Lesen) geschliffen. Wenn Sie nun eine Treppe hinabsteigen und den Blick senken, schauen Sie durch diesen Nahbereich. Die Folge: Die Kanten der Treppenstufen erscheinen unscharf und verzerrt, was eine Fehleinschätzung von Abstand und Höhe provoziert. Ein kleiner Fehltritt kann fatale Folgen haben.

Dass dies kein geringes Risiko ist, belegen die Zahlen der BFU (Beratungsstelle für Unfallverhütung): Jährlich ereignen sich knapp 25’000 Treppenunfälle in Schweizer Haushalten, wobei Senioren mit Gleitsichtbrillen eine besondere Risikogruppe darstellen. Es geht also nicht darum, die Brille zu verteufeln, sondern eine bewusste Sicherheitsroutine für Treppen zu etablieren. Anstatt nur die Augen zu senken, neigen Sie den gesamten Kopf nach vorne, um durch den Fernbereich der Brille zu blicken. Dies erfordert anfangs etwas Übung, wird aber schnell zur Gewohnheit.

Etablieren Sie die folgenden drei Routinen, um das Risiko drastisch zu senken:

  1. Die „Zweitbrillen-Routine“: Deponieren Sie eine einfache Fernbrille am oberen und unteren Treppenabsatz. So können Sie schnell und unkompliziert wechseln.
  2. Die „Kopf-senken-Technik“: Üben Sie bewusst, den ganzen Kopf zu neigen, anstatt nur den Blick zu senken. Der Handlauf gibt Ihnen dabei die nötige Sicherheit.
  3. Die „Handlauf-Regel“: Machen Sie es sich zur ausnahmslosen Gewohnheit, auf Treppen immer eine Hand am Geländer zu haben. Dies kompensiert jede visuelle Unsicherheit.

Zusätzlich sollten Sie für eine optimale Beleuchtung der Treppe sorgen, idealerweise mit Bewegungsmeldern, damit die Stufen immer klar erkennbar sind.

Pantoffeln oder festes Schuhwerk: Was gibt zu Hause wirklich Halt?

Viele von uns lieben die Bequemlichkeit von alten, ausgetretenen Pantoffeln. Doch genau diese vermeintliche Gemütlichkeit birgt eine der grössten Sturzgefahren im eigenen Zuhause. Offene Fersen, glatte Sohlen und fehlender Halt machen Pantoffeln, „Finken“ oder „Schlarpen“ zu einer instabilen Basis. Man rutscht leicht heraus, die Sohle bietet keinen Grip auf glatten Böden wie Parkett oder Platten, und der Fuss wird nicht geführt. Das Resultat ist ein unsicherer Gang und ein massiv erhöhtes Sturzrisiko, besonders beim schnellen Aufstehen oder Drehen.

Der Wechsel zu festem, gut sitzendem Schuhwerk für den Innenbereich ist eine der einfachsten und wirkungsvollsten Massnahmen zur Sturzprävention. Ein guter Hausschuh ist im Grunde ein leichter, bequemer Strassenschuh. Er umschliesst den Fuss, gibt der Ferse Halt und hat eine rutschfeste Gummisohle mit Profil. Klettverschlüsse sind ideal, da sie sich leicht anpassen lassen und das Bücken zum Binden von Schnürsenkeln überflüssig machen – eine weitere potenzielle Gefahrensituation.

Investieren Sie in Ihre Sicherheit, indem Sie Ihre Hausschuhe genauso sorgfältig auswählen wie Ihre Schuhe für draussen. Es ist eine kleine Veränderung mit enormer Wirkung auf Ihre Stabilität und Ihr Sicherheitsgefühl in den eigenen vier Wänden. Betrachten Sie es als Upgrade für Ihre persönliche Sicherheit.

Ihr 5-Punkte-Check für sichere Hausschuhe

  1. Rutschfeste Sohle: Besteht die Sohle aus Gummi mit einem klaren Profil, das auch auf nassen Fliesen Halt gibt?
  2. Geschlossene Ferse: Umschliesst der Schuh die Ferse vollständig und verhindert so ein Herausrutschen?
  3. Einfacher Verschluss: Verfügt der Schuh über einen Klettverschluss oder einen breiten Gummizug statt komplizierter Schnürsenkel?
  4. Feste, dämpfende Sohle: Bietet die Sohle Stabilität und schützt sie die Gelenke auf harten Böden?
  5. Atmungsaktives Material: Ist das Obermaterial atmungsaktiv, um Schweissbildung und damit verbundene Rutschgefahr zu vermeiden?

Welche Tabletten-Kombinationen führen häufig zu Schwindel und Stürzen?

Medikamente sind ein Segen der modernen Medizin, doch mit zunehmender Anzahl können sie auch zu einem Risiko werden. Insbesondere die sogenannte Polymedikation – die gleichzeitige Einnahme von fünf oder mehr verschiedenen Medikamenten – kann zu unvorhergesehenen Wechselwirkungen und Nebenwirkungen führen. Eine der häufigsten und gefährlichsten ist Schwindel, der direkt zu Stürzen führen kann. Das Ausmass des Problems ist alarmierend: Aktuelle Schweizer Gesundheitsdaten zeigen rund 288’000 Stürze jährlich bei über 65-Jährigen, wobei Medikamenten-Wechselwirkungen eine signifikante Rolle spielen.

Bestimmte Kombinationen sind besonders kritisch. So kann die gleichzeitige Einnahme von Blutdrucksenkern und entwässernden Mitteln (Diuretika) zu einem plötzlichen Blutdruckabfall beim Aufstehen führen, was starken Schwindel auslöst. Auch Schlaf- und Beruhigungsmittel können die Reaktionszeit und das Gleichgewicht noch am nächsten Morgen beeinträchtigen. Es ist daher unerlässlich, nicht nur die einzelnen Medikamente, sondern ihr Zusammenspiel zu betrachten. Dies schliesst auch rezeptfreie Präparate und Nahrungsergänzungsmittel mit ein.

Der wichtigste Schritt ist der proaktive „Polymedikations-Check“. Erstellen Sie eine vollständige, aktuelle Liste aller Medikamente, die Sie einnehmen. Nutzen Sie die kostenlose Dienstleistung vieler Schweizer Apotheken, um diese Liste auf potenzielle Wechselwirkungen überprüfen zu lassen. Besprechen Sie diese Liste zudem bei jedem Termin mit Ihrem Hausarzt. Oft lassen sich durch Anpassung der Dosierung oder der Einnahmezeiten (z.B. Schlafmittel nur direkt vor dem Zubettgehen) Risiken deutlich minimieren. Diese Routine gibt Ihnen die Sicherheit, dass Ihre Medikation Ihnen hilft und nicht schadet.

Welche Sportarten schonen die Gelenke und bauen trotzdem Kondition auf?

Bewegung ist entscheidend, aber was tun, wenn die Gelenke schmerzen? Viele klassische Sportarten wie Joggen oder Tennis können für Knie und Hüften eine zu grosse Belastung darstellen. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl an Aktivitäten, die Gelenke schonen, das Herz-Kreislauf-System stärken und gleichzeitig die für die Sturzprävention so wichtige Muskulatur und Koordination trainieren. Der Schlüssel liegt darin, eine Aktivität zu finden, die Ihnen Freude bereitet, denn nur so bleiben Sie langfristig dabei.

In der Schweiz gibt es hervorragende, organisierte Angebote, die genau auf die Bedürfnisse von Senioren zugeschnitten sind. Pro Senectute beispielsweise bietet schweizweit Kurse wie Aquagym an, bei dem der Auftrieb des Wassers die Gelenke fast vollständig entlastet, während der Wasserwiderstand die Muskeln fordert. Auch Nordic Walking auf gut ausgebauten Wanderwegen ist ideal: Die Stöcke reduzieren die Belastung auf die Gelenke und trainieren gleichzeitig den Oberkörper. Für längere Ausflüge sind E-Bike-Touren, wie sie etwa vom TCS angeboten werden, eine wunderbare Option, um aktiv zu bleiben, ohne sich zu überfordern.

Diese Aktivitäten haben einen weiteren unschätzbaren Vorteil: Sie finden oft in Gruppen statt und wirken so der sozialen Isolation entgegen, was nachweislich die psychische Gesundheit und die Motivation fördert. Die folgende Übersicht hilft Ihnen, die für Sie passende Sportart zu finden.

Gelenkschonende Sportarten im Vergleich
Sportart Gelenkbelastung Konditionsaufbau Sturzprävention Sozialfaktor
Aquagym Sehr gering Hoch Sehr gut Gruppentraining
Nordic Walking Gering Mittel-Hoch Gut Wandergruppen
E-Bike fahren Gering Mittel Mittel Velotouren
Tai Chi Sehr gering Niedrig Sehr gut Gruppenkurse
DomiGym Angepasst Mittel Sehr gut Einzeltraining

Finden Sie die Bewegung, die zu Ihnen passt, und entdecken Sie die Freude an der gelenkschonenden Aktivität neu.

Greifzange und Strumpfanzieher: Welche kleinen Helfer machen den grossen Unterschied?

Oft sind es die kleinen Dinge im Alltag, die zu gefährlichen Situationen führen: Das Bücken nach einem heruntergefallenen Gegenstand, das mühsame Anziehen von Socken oder das gefährliche Balancieren auf einem Hocker, um etwas aus einem hohen Regal zu holen. An dieser Stelle kommen Alltagshelfer ins Spiel. Viele sehen sie fälschlicherweise als Zeichen von Schwäche, doch das Gegenteil ist der Fall. Organisationen wie die Rheumaliga Schweiz bezeichnen sie treffend als „Instrumente für verlängerte Unabhängigkeit“.

Eine Greifzange ist nicht nur ein „verlängerter Arm“, sondern ein Sicherheitswerkzeug, das riskante Bück- und Streckbewegungen überflüssig macht. Ein Strumpfanzieher oder ein langer Schuhlöffel ermöglichen es Ihnen, sich im Sitzen anzukleiden, was Schwindel und Gleichgewichtsprobleme beim Bücken vermeidet. Eine fest montierte Badewanneneinstiegshilfe oder ein erhöhter Toilettensitz reduzieren den Kraftaufwand und die Gefahr des Abrutschens im Badezimmer erheblich.

Der Trick liegt nicht nur im Besitz dieser Helfer, sondern in ihrer strategischen Platzierung. Eine Greifzange gehört neben jeden Sessel und ans Bett. Ein langer Schuhlöffel sollte sowohl an der Garderobe als auch im Schlafzimmer griffbereit sein. Indem Sie diese Werkzeuge dort positionieren, wo Sie sie am häufigsten benötigen, werden sie zu einem selbstverständlichen Teil Ihres Alltags und eliminieren unbewusst unzählige kleine, tägliche Risiken. Sie investieren nicht in Hilfsmittel, Sie investieren in Ihre anhaltende Selbstständigkeit.

Die intelligente Nutzung dieser kleinen, aber wirkungsvollen Alltagshelfer ist ein cleverer Weg, um sicher und unabhängig zu bleiben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Muskelkraft ist Ihre Sturz-Versicherung: Gezieltes Training schlägt reines Ausdauertraining bei der Verhinderung von Stürzen.
  • Sicherheit beginnt bei den Füssen und Augen: Festes Schuhwerk zu Hause und der bewusste Umgang mit der Gleitsichtbrille auf Treppen sind entscheidend.
  • Kleine Routinen, grosse Wirkung: Integrieren Sie einfache Kraft- und Gleichgewichtsübungen konsequent in Ihren Alltag.

Aufwärmen ab 60: Welche Übungen sind vor dem Sport Pflicht?

Bevor Sie mit einer sportlichen Aktivität beginnen – sei es Gartenarbeit, eine Nordic-Walking-Runde oder eine Velotour – ist eine kurze Aufwärmphase absolut unerlässlich. Mit zunehmendem Alter verlieren Muskeln, Sehnen und Bänder an Elastizität. Ein „Kaltstart“ erhöht das Verletzungsrisiko erheblich und kann zu Zerrungen oder Schlimmerem führen. Ein gezieltes, 5-minütiges Aufwärmen bereitet den Körper auf die bevorstehende Belastung vor: Es erhöht die Durchblutung der Muskulatur, macht die Gelenke geschmeidiger und aktiviert das Nervensystem für eine bessere Koordination und Reaktionszeit.

Dies ist keine verlorene Zeit, sondern eine Investition in Ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Die Wirksamkeit ist sogar wissenschaftlich belegt: So zeigen Studien der Universität Genf eine bis zu 50% Reduktion des Sturzrisikos bei Senioren, die regelmässig am Rhythmik-Training nach Jaques-Dalcroze teilnehmen, welches stark auf Koordination und vorbereitende Bewegungen setzt. Eine einfache Routine aus leichten Mobilisations- und Aktivierungsübungen genügt bereits, um Ihren Körper in einen sicheren und leistungsbereiten Zustand zu versetzen.

Führen Sie die folgende 5-Minuten-Routine vor jeder Aktivität durch:

  1. Fusskreisen (30 Sek.): Im Stand (festhalten!) 10 Kreise pro Fuss in jede Richtung.
  2. Wadenpumpe (1 Min.): 3×10 Wiederholungen auf die Zehenspitzen stellen und langsam wieder abrollen.
  3. Beckenrotation (1 Min.): 10 langsame, grosse Kreise mit dem Becken in jede Richtung.
  4. Armschwingen (30 Sek.): 20 lockere Schwünge mit den Armen vor und zurück.
  5. Marschieren auf der Stelle (2 Min.): Beginnen Sie langsam und ziehen Sie die Knie schrittweise höher, um den Puls leicht zu erhöhen.

Ihre Sicherheit und Mobilität liegen in Ihren Händen. Warten Sie nicht auf den nächsten unsicheren Moment. Beginnen Sie noch heute damit, eine dieser einfachen Routinen in Ihren Tag zu integrieren. Der erste Schritt ist der wichtigste auf dem Weg zu neuer Stärke und neuem Selbstvertrauen.

Geschrieben von Marc Stauffer, Dipl. Physiotherapeut FH mit Spezialisierung auf Geriatrie. Experte für Sturzprophylaxe, Mobilitätserhalt und Rehabilitation nach Operationen.