Veröffentlicht am April 17, 2024

Entgegen der landläufigen Meinung ist der digitale Wandel für Senioren keine Einbahnstrasse. Die grösste Hürde sind nicht die Apps selbst, sondern die versteckten Kosten und die Intransparenz der Anbieter.

  • Nicht-digitale Optionen sind oft mit Gebühren und höheren Preisen verbunden.
  • Sie haben ein Recht auf nicht-digitale Dienstleistungen und persönliche Beratung.

Empfehlung: Fordern Sie aktiv Ihre Rechte ein und nutzen Sie gezielte Strategien, um Kostenfallen zu umgehen und Serviceroboter zu überlisten.

Der Billettschalter am Bahnhof ist geschlossen, die letzte Postfiliale im Quartier macht dicht und die Bankberaterin ist nur noch per Videoanruf erreichbar. Für viele Seniorinnen und Senioren in der Schweiz ist dies eine zunehmend frustrierende Realität. Der Druck, den digitalen Wandel mitzumachen, wächst täglich. Überall wird erwartet, dass man mit Apps, QR-Codes und Online-Formularen hantiert, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Wer da nicht mithalten kann oder will, fühlt sich schnell abgehängt und bevormundet.

Die gängigen Ratschläge sind bekannt und oft wenig hilfreich. Man rät Ihnen zu Computerkursen oder verweist auf die hilfsbereiten Enkel. Doch was, wenn das Problem nicht nur die eigene Unsicherheit ist, sondern ein System, das Nicht-Digitale bewusst benachteiligt? Dieser Ratgeber wiederholt nicht die üblichen Phrasen. Er agiert als Ihr persönlicher Konsumentenschützer, deckt die versteckten Kosten der Digitalisierung auf und gibt Ihnen konkrete System-Hacks an die Hand. Es geht darum, Ihnen die Kontrolle zurückzugeben und Sie zu einem mündigen Konsumenten zu machen, der seine Rechte kennt und einfordert.

Wir werden uns nicht damit begnügen, Alternativen aufzuzählen. Stattdessen zeigen wir Ihnen, wie Sie die neuen Systeme zu Ihrem Vorteil nutzen oder sie gezielt umgehen können, ohne dabei in Kostenfallen zu tappen. Von der sicheren Bezahlung von Rechnungen über die Tricks bei der SBB-App bis hin zum direkten Draht zu einem echten Menschen am Telefon – dieser Artikel rüstet Sie für den digitalen Alltag.

In den folgenden Abschnitten finden Sie praxisnahe Anleitungen und kritische Analysen zu den häufigsten digitalen Hürden. Das Ziel ist klar: Sie sollen am Ende nicht nur wissen, welche Optionen Sie haben, sondern auch, wie Sie diese selbstbewusst und kosteneffizient einsetzen.

Wie bezahlen Sie Ihre Rechnungen sicher, wenn die Bankfiliale schliesst?

Die Schliessung von Bankfilialen ist ein klares Zeichen: Die Finanzwelt will ihre Kunden ins E-Banking drängen. Das ist bequem und rund um die Uhr verfügbar, setzt aber technisches Verständnis und Vertrauen voraus. Wer diesen Schritt nicht machen möchte, wird oft zur Kasse gebeten. Die versteckten Kosten für nicht-digitale Dienstleistungen sind ein wachsendes Ärgernis. Ein Zahlungsauftrag per Post kann schnell mehrere Franken pro Rechnung kosten, und eine Bareinzahlung am Postschalter ist oft die teuerste Variante.

Diese Entwicklung stellt viele Senioren vor ein Dilemma: Wie bezahle ich meine Rechnungen weiterhin sicher und ohne horrende Zusatzgebühren? Die folgende Tabelle zeigt, wo die Kostenfallen lauern.

Kostenvergleich für Zahlungsmethoden in der Schweiz
Zahlungsmethode Kosten Vorteile Nachteile
E-Banking Kostenlos 24/7 verfügbar, bequem von zuhause Technische Kenntnisse erforderlich
Zahlungsauftrag per Post 2.50 CHF (ZKB) Keine Technik nötig Verzögerung, Zusatzkosten
Bareinzahlung am Postschalter 3.50-15 CHF Persönlicher Kontakt Hohe Gebühren, Öffnungszeiten

Neben den Kosten ist die Sicherheit die grösste Sorge. Betrüger nutzen die Unsicherheit gezielt aus und versuchen, mit gefälschten E-Mails (Phishing) an Ihre Kontodaten zu gelangen. Absolute Wachsamkeit ist hier entscheidend. Lernen Sie, die typischen Betrugsmaschen zu erkennen, um Ihr Geld zu schützen. Es ist Ihr Recht als Konsument, sicher und ohne überrissene Gebühren bezahlen zu können.

Verschiedene Schweizer Zahlungsoptionen symbolisch dargestellt

Wie die symbolische Darstellung zeigt, stehen traditionelle und moderne Methoden in einem Spannungsfeld. Die Entscheidung für einen Weg hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab, sollte aber immer auf einer informierten Basis getroffen werden. Um sich vor Online-Betrug zu schützen, gibt es eine klare Handlungsanleitung.

Ihr Plan zur Erkennung und Meldung von Betrugsmaschen

  1. Erkennen Sie Phishing-Mails an falschen Absendern (z.B. PostFinance, Raiffeisen mit Tippfehlern im Domain-Namen).
  2. Prüfen Sie verdächtige Links, indem Sie mit der Maus darüberfahren, ohne zu klicken, und die Zieladresse kontrollieren.
  3. Leiten Sie verdächtige E-Mails umgehend an die offizielle Meldestelle reports@antiphishing.ch weiter.
  4. Melden Sie Betrugsversuche direkt beim Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) über dessen Online-Formular.
  5. Informieren Sie Ihre Bank sofort bei jedem Verdacht auf Kontomissbrauch, um Ihr Konto sperren zu lassen.

Warum zahlen Sie am Automaten oft mehr als mit der App „SBB Mobile“?

Es ist ein weit verbreitetes Ärgernis: Das am Billettautomaten gelöste Ticket ist oft teurer als das gleiche Billett in der SBB-App. Dahinter steckt kein Zufall, sondern eine gezielte Preisstrategie der Transportunternehmen. Digitale Kanäle sind für die SBB günstiger im Betrieb, und dieser Vorteil wird in Form von Sparangeboten und tieferen Preisen an die App-Nutzer weitergegeben. Wer den Automaten oder gar den bedienten Schalter nutzt, bezahlt den „Normalpreis“ und subventioniert quasi die digitalen Nutzer mit.

Das prominenteste Beispiel dafür sind die Spartageskarten und Sparbillette. Diese sind fast ausschliesslich online oder mobil verfügbar. Wer digital bucht, kann erheblich sparen. So profitieren Reisende von Angeboten wie der neuen Spartageskarte Gemeinde ab 29 CHF mit Halbtax, ein Preis, der am Automaten unerreichbar ist. Diese Preispolitik schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im öffentlichen Verkehr und bestraft jene, die auf nicht-digitale Kanäle angewiesen sind.

Gibt es also keine Möglichkeit, diese Kostenfalle zu umgehen? Doch, es gibt einen cleveren „System-Hack“, den viele nicht kennen: das Halbtax PLUS. Es funktioniert wie ein Prepaid-Guthaben und bietet eine interessante Alternative.

Praxisbeispiel: Das Halbtax PLUS als Prepaid-Alternative

Das Halbtax PLUS ist ein Prepaid-Guthaben für den öffentlichen Verkehr. Senioren können verschiedene Guthabenpakete wählen (z.B. 800 CHF einzahlen und für 1000 CHF reisen) und profitieren so von einem Bonus der ÖV-Branche. Das Guthaben kann ein Jahr lang für persönliche Billette in digitalen Kanälen wie SBB Mobile oder SBB.ch verwendet werden. Der Clou: Man muss nicht bei jedem Kauf die Kreditkarte zücken. Das Guthaben wird automatisch verrechnet, was die Hemmschwelle senkt. So kann man die App nutzen, um von den günstigeren Preisen zu profitieren, hat aber die Kostenkontrolle einer Prepaid-Lösung.

Diese Option ist ein guter Kompromiss. Sie erfordert zwar die einmalige Einrichtung und die Nutzung der App, vereinfacht aber den eigentlichen Kaufprozess erheblich und schaltet die finanziellen Vorteile der digitalen Welt frei, ohne bei jeder Fahrt eine komplexe Transaktion durchführen zu müssen.

Muss die Steuererklärung im Kanton Zürich wirklich online ausgefüllt werden?

Jedes Jahr aufs Neue stehen viele Zürcherinnen und Zürcher vor der gleichen Frage: Muss ich meine Steuererklärung wirklich online einreichen? Die Behörden werben intensiv für ihre Online-Tools und erwecken oft den Eindruck, es gäbe keine Alternative. Die klare Antwort lautet jedoch: Nein, es besteht keine gesetzliche Pflicht zur Online-Einreichung. Dies ist ein wichtiges Konsumentenrecht, das Sie kennen und bei Bedarf auch einfordern sollten.

Sie haben weiterhin das uneingeschränkte Recht, Ihre Steuererklärung auf den traditionellen Papierformularen auszufüllen und per Post einzusenden. Die Kantonalen Steuerämter sind verpflichtet, Ihnen diese Formulare zur Verfügung zu stellen. Lassen Sie sich also nicht unter Druck setzen. Wenn Sie sich mit der Papierform wohler und sicherer fühlen, ist das Ihr gutes Recht. Der angebliche „Mehraufwand“ für die Behörde darf nicht auf Ihrem Rücken ausgetragen werden.

Um die Papierformulare zu erhalten, müssen Sie aktiv werden. Ein Anruf beim zuständigen Kantonalen Steueramt Zürich genügt in der Regel. Beantragen Sie explizit die Zusendung der Papierformulare für das aktuelle Steuerjahr. Eine weitere wichtige Anlaufstelle ist Pro Senectute. Die Organisation bietet in vielen Gemeinden des Kantons Zürich kostenlose Unterstützung beim Ausfüllen der Steuererklärung an. Diese Hilfe ist speziell auf die Bedürfnisse von Senioren zugeschnitten und eine wertvolle Ressource, um Fehler zu vermeiden und alle Abzüge korrekt geltend zu machen.

Der Prozess ist also unkompliziert: Fordern Sie die Formulare an, nutzen Sie bei Bedarf die kostenlose Beratung und reichen Sie die Dokumente fristgerecht per Post ein. Bewahren Sie die Eingangsbestätigung der Post sorgfältig auf. So haben Sie die Gewissheit, dass Ihre Steuererklärung pünktlich und in der von Ihnen bevorzugten Form erledigt ist.

Ist Twint auf dem Flohmarkt oder im Hofladen wirklich sicher für Senioren?

Twint hat sich in der Schweiz als quasi-Bargeldersatz etabliert. Besonders auf Märkten, in Hofläden oder unter Freunden ist die Bezahl-App äusserst beliebt. Die Handhabung scheint einfach: QR-Code scannen, Betrag bestätigen, fertig. Doch hinter dieser Einfachheit lauern Risiken, die gerade für weniger technikaffine Nutzer zur Falle werden können. Die kritische Frage ist berechtigt: Ist diese Methode wirklich sicher?

Die Antwort ist ein klares Jein. Die Technologie selbst ist sicher, aber sie wird von Betrügern gezielt ausgenutzt. Das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) warnt regelmässig vor neuen Maschen. Ein grosses Problem ist der Vorschussbetrug auf Online-Marktplätzen, bei dem Verkäufer eine Anzahlung per Twint verlangen und dann die Ware nie liefern. Gemäss dem NCSC gab es Rekordwerte von bis zu 954 Betrugsmeldungen in einer einzigen Woche, viele davon im Zusammenhang mit Twint. Das zeigt, wie aktiv Kriminelle sind.

Sichere Bargeldtransaktion auf einem Schweizer Markt

Beim direkten Kauf auf dem Flohmarkt oder im Hofladen ist das Risiko geringer, aber nicht null. Hier ist es wichtig, sich an eine eiserne Regel zu halten: Niemals Geld an Unbekannte senden, ohne die Ware direkt zu erhalten. Eine einfache Sicherheitsroutine kann das Risiko minimieren:

  • Überprüfen Sie vor der Zahlung immer den Namen des Empfängers, der in der App angezeigt wird. Stimmt er mit dem des Verkäufers überein?
  • Legen Sie in Ihrer Banking-App tägliche und monatliche Limiten für Twint-Zahlungen fest. Das begrenzt den potenziellen Schaden.
  • Fragen Sie bei QR-Codes den Verkäufer aktiv, welcher Name bei der Zahlung angezeigt werden sollte.
  • Lehnen Sie verdächtige oder unerwartete Zahlungsanfragen sofort ab.

Für viele Situationen, besonders bei kleinen Beträgen und bekannten Verkäufern, bleibt Bargeld die einfachste und sicherste Alternative. Es erfordert kein technisches Gerät, keine Internetverbindung und hinterlässt keine digitalen Spuren.

Wie kommen Sie am Telefonroboter vorbei zu einem echten Menschen?

„Sagen Sie ‚Rechnung‘, wenn Sie eine Frage zu Ihrer Rechnung haben.“ Wer kennt sie nicht, die endlosen Warteschleifen und die frustrierenden Dialoge mit Telefonrobotern? Einen echten Menschen bei einer Hotline zu erreichen, gleicht oft einer Odyssee. Doch Sie sind diesen Systemen nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt bewährte „System-Hacks“, um die digitalen Pförtner zu überlisten und schneller zu einem kompetenten Ansprechpartner zu gelangen.

Die meisten Sprachdialogsysteme sind so programmiert, dass sie bei unklaren Anfragen oder bestimmten Schlüsselwörtern an einen Mitarbeiter weiterleiten. Das können Sie gezielt ausnutzen. Statt sich durch das Menü zu hangeln, probieren Sie klare, problemorientierte Begriffe.

Praxis-Test: Erfolgreiche Strategien bei Schweizer Hotlines

Erfahrungen bei grossen Anbietern wie Swisscom oder den SBB zeigen, dass bestimmte Taktiken die Wartezeit verkürzen. Das wiederholte Drücken der Taste ‚0‘ oder ‚#‘ auf der Telefontastatur führt bei vielen Systemen dazu, dass sie die Eingabe als „ungültig“ werten und Sie aus reiner Verzweiflung an einen Menschen durchstellen. Auch das Aussprechen von Schlüsselwörtern wie „Berater“, „Problem“, „Kündigung“ oder „Beschwerde“ kann den Roboter dazu veranlassen, Sie direkt weiterzuleiten. Die besten Anrufzeiten, um lange Warteschleifen zu vermeiden, sind erfahrungsgemäss Dienstag bis Donnerstag zwischen 10 und 12 Uhr sowie 14 und 16 Uhr.

Trotz dieser Tricks ist das Telefon nicht immer der beste Weg. Je nach Anliegen kann ein anderer Kontaktkanal sinnvoller sein. Ein eingeschriebener Brief schafft rechtliche Sicherheit, während eine E-Mail eine schriftliche Dokumentation ermöglicht.

Vergleich der Kontaktwege bei Schweizer Dienstleistern
Kontaktweg Vorteile Nachteile Empfehlung für
Telefon-Hotline Direkte Klärung Lange Wartezeiten Dringende Anliegen
E-Mail Schriftliche Dokumentation Verzögerte Antwort Nicht dringende Fragen
Eingeschriebener Brief Rechtliche Sicherheit Aufwändig, langsam Rechtliche Themen
Persönlicher Besuch Face-to-face Kontakt Anfahrt nötig Komplexe Anliegen

Die Wahl des richtigen Kanals ist ein strategischer Entscheid, um Ihr Anliegen effizient zu klären und die Kontrolle über die Kommunikation zu behalten.

AHV-Rente vorbeziehen oder aufschieben: Was lohnt sich für Ihre Lebenserwartung?

Die Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt für den AHV-Rentenbezug ist eine der weitreichendsten finanziellen Weichenstellungen für den Ruhestand. Soll man die Rente ein oder zwei Jahre vorbeziehen und dafür eine lebenslange Kürzung in Kauf nehmen? Oder soll man den Bezug aufschieben, um später eine höhere monatliche Rente zu erhalten? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, denn sie hängt stark von zwei sehr persönlichen Faktoren ab: Ihrer finanziellen Situation und Ihrer erwarteten Lebensdauer.

Rein rechnerisch gibt es einen sogenannten „Break-Even-Punkt“. Das ist das Alter, ab dem sich ein Aufschub finanziell auszahlt. Wer seine Rente beispielsweise um fünf Jahre aufschiebt, erhält eine um 31.5% höhere Rente. Berechnungen auf Basis der Sterbetafeln des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass sich dieser Aufschub im Durchschnitt erst ab einem Alter von ca. 85 Jahren lohnt. Das heisst, nur wer statistisch gesehen älter als 85 wird, profitiert finanziell von einem Aufschub. Wer früher verstirbt, hätte mit einem Vorbezug oder dem ordentlichen Bezug mehr Geld erhalten.

Symbolische Darstellung der Lebensplanung im Schweizer Rentenalter

Diese rein mathematische Betrachtung greift jedoch zu kurz. Die Entscheidung sollte auf einer umfassenderen Analyse Ihrer persönlichen Lebenssituation basieren. Folgende Punkte sollten Sie unbedingt in Ihre Überlegungen einbeziehen:

  • Gesundheitszustand: Wie schätzen Sie Ihre eigene Gesundheit und Lebenserwartung realistisch ein?
  • Finanzielle Reserven: Benötigen Sie das Geld aus der AHV dringend oder haben Sie genügend andere Mittel, um einen Aufschub zu überbrücken?
  • Steuerprogression: Eine höhere Rente kann zu einer höheren Steuerbelastung führen. Lassen Sie die Auswirkungen berechnen.
  • Ergänzungsleistungen (EL): Klären Sie ab, ob ein Vorbezug Ihren Anspruch auf EL beeinflusst.
  • Lebensplanung: Haben Sie grosse Projekte nach der Pensionierung geplant, für die Sie frühzeitig Geld benötigen?

Seit 2024 gibt es zudem die Möglichkeit eines flexiblen Teilbezugs (20-80% der Rente), was neue Planungsoptionen eröffnet. Eine professionelle Beratung, zum Beispiel bei einer AHV-Ausgleichskasse oder einem unabhängigen Finanzplaner, ist in jedem Fall empfehlenswert.

Die Entscheidung über den Rentenbeginn ist komplex. Eine sorgfältige Abwägung aller persönlichen Faktoren ist unerlässlich, um die für Sie richtige Wahl zu treffen.

WhatsApp, Zoom & Co: Wie nutzen Sie Videoanrufe sicher mit den Enkeln?

Videoanrufe sind zu einer unverzichtbaren Brücke zwischen den Generationen geworden. Mit Diensten wie WhatsApp, FaceTime oder Zoom können Grosseltern das Aufwachsen ihrer Enkel miterleben, auch wenn diese weit entfernt wohnen. Diese digitalen Fenster zur Familie sind ein Segen, doch sie erfordern auch ein gewisses Mass an Vorsicht. Die Sicherheit sollte immer an erster Stelle stehen, damit die Freude am digitalen Austausch ungetrübt bleibt.

Die gute Nachricht vorweg: Die grossen, bekannten Dienste sind grundsätzlich sicher. Die Anrufe sind in der Regel „Ende-zu-Ende-verschlüsselt“, was bedeutet, dass niemand ausser Ihnen und Ihrem Gesprächspartner mithören oder zusehen kann. Die grösste Gefahr geht nicht von der Technologie selbst aus, sondern von Betrugsversuchen, die diese Kanäle nutzen – wie zum Beispiel der bekannte „Enkeltrick-Betrug“ in seiner digitalen Form. Hier ist es wichtig, eine gesunde Skepsis zu bewahren.

Wie Alexander Seifert von der Fachhochschule Nordwestschweiz in einer Studie treffend feststellt, ist die Digitalisierung unaufhaltsam. Sich ihr komplett zu verweigern, wird immer schwieriger.

Ein komplettes Offline-Leben zu führen, wird zukünftig noch schwerer werden. Die Digitalisierung durchdringt unseren Alltag mittlerweile fast vollständig.

– Alexander Seifert, Studie Digital Seniors, Fachhochschule Nordwestschweiz

Anstatt sich also zurückzuziehen, ist es sinnvoller, sich mit einfachen Sicherheitsregeln zu wappnen. Die wichtigste Regel lautet: Vertrauen Sie niemals unerwarteten Nachrichten oder Anrufen, auch wenn sie scheinbar von einem bekannten Kontakt stammen. Wenn ein Enkel plötzlich per Textnachricht um Geld bittet, weil er angeblich eine neue Nummer hat, sollten Sie dies immer durch einen Rückruf auf der altbekannten Nummer überprüfen. Installieren Sie Apps nur aus den offiziellen Stores (Apple App Store oder Google Play Store) und klicken Sie niemals auf verdächtige Links, die Ihnen per Nachricht geschickt werden. Ein starkes, einzigartiges Passwort für Ihr Gerät ist ebenfalls eine grundlegende Schutzmassnahme.

Mit diesen simplen Verhaltensregeln können Sie die Vorteile der digitalen Kommunikation geniessen. Die sichere Nutzung dieser Werkzeuge gibt Ihnen Freiheit und Nähe zu Ihren Liebsten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Digital ist nicht immer günstiger: Achten Sie auf versteckte Gebühren und Preisaufschläge für nicht-digitale Dienstleistungen bei Banken und SBB.
  • Sie haben Rechte als Konsument: Bestehen Sie auf Papierformulare für die Steuererklärung und nutzen Sie Tricks, um bei Hotlines zu einem Menschen durchzukommen.
  • Vorsicht ist besser als Nachsicht: Schützen Sie sich proaktiv vor Betrug bei Twint und WhatsApp, indem Sie einfache Sicherheitsregeln befolgen und misstrauisch bleiben.

Fazit: Wie Sie die Kontrolle im digitalen Dschungel zurückgewinnen

Der digitale Wandel in der Schweiz schreitet unaufhaltsam voran und stellt viele Senioren vor grosse Herausforderungen. Doch wie dieser Ratgeber gezeigt hat, sind Sie dem nicht schutzlos ausgeliefert. Der Schlüssel liegt darin, die passive Opferrolle abzulegen und die Position eines mündigen und kritischen Konsumenten einzunehmen. Die Digitalisierung ist kein Naturgesetz, sondern ein von Unternehmen gestaltetes System mit eigenen Regeln, Anreizen und eben auch Schwachstellen.

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass „offline“ oft mit versteckten Kosten verbunden ist. Ob bei Bankgebühren oder Billetpreisen – wer nicht digital ist, zahlt häufig drauf. Gleichzeitig haben Sie aber auch Rechte. Das Recht auf eine Steuererklärung in Papierform ist gesetzlich verankert, und es gibt wirksame Strategien, um die digitalen Barrieren von Service-Hotlines zu durchbrechen. Es geht darum, diese Rechte zu kennen und sie selbstbewusst einzufordern.

Indem Sie die hier vorgestellten „System-Hacks“ und Sicherheitsroutinen anwenden, gewinnen Sie ein grosses Stück Kontrolle zurück. Sie entscheiden, wann Sie Twint nutzen und wann Bargeld sicherer ist. Sie wissen, wie Sie von günstigen SBB-Angeboten profitieren können, und Sie lassen sich von keinem Telefonroboter mehr abwimmeln. Diese proaktive Haltung schützt nicht nur Ihren Geldbeutel, sondern stärkt auch Ihr Selbstvertrauen im Umgang mit der modernen Welt.

Beginnen Sie noch heute damit, diese Strategien anzuwenden. Fordern Sie Ihre Rechte ein, hinterfragen Sie Gebühren kritisch und übernehmen Sie aktiv die Steuerung Ihres digitalen Alltags. So bleiben Sie auch in einer zunehmend digitalisierten Schweiz souverän und selbstbestimmt.

Häufige Fragen zum Umgang mit der Digitalisierung

Besteht eine Pflicht zur Online-Einreichung der Steuererklärung?

Nein, es besteht keine gesetzliche Pflicht. Sie haben das Recht, weiterhin Papierformulare zu verwenden und diese per Post einzureichen.

Wo kann ich Papierformulare für die Steuererklärung anfordern?

Sie können die Papierformulare direkt beim zuständigen kantonalen Steueramt, zum Beispiel im Kanton Zürich, per Telefon oder schriftlicher Anfrage anfordern.

Gibt es Unterstützung beim Ausfüllen der Steuererklärung?

Ja, Organisationen wie Pro Senectute Kanton Zürich und viele lokale Gemeindezentren bieten kostenlose oder kostengünstige Hilfe speziell für Senioren an.

Geschrieben von Lukas Meier, Zertifizierter Erwachsenenbildner für digitale Medien und IT-Coach für Senioren. Spezialist für Smartphone-Sicherheit, Apps und Internetnutzung im Alter.