
Ein fixes Budget für die Pensionierung ist eine finanzielle Illusion; entscheidend ist ein dynamisches System, das sich anpasst.
- Die grössten finanziellen Risiken sind nicht die alltäglichen Ausgaben, sondern die Explosion der Gesundheitskosten und die schleichende Geldentwertung über 20+ Jahre.
- Die Optimierung liegt nicht im Sparen allein, sondern in intelligenten Arbitragen: Hypothek, Steueroptimierung bei der Entnahme und Wahl des AHV-Zeitpunkts.
Empfehlung: Führen Sie ein dynamisches Budget, das auf strategischen finanziellen Arbitragen basiert, statt sich auf starre Ausgabenlisten zu verlassen, um Ihre Kaufkraft langfristig zu sichern.
Die Vorstellung, den Ruhestand mit einem festen Budget zu bestreiten, ist eine der häufigsten Ursachen für finanzielle Ängste bei angehenden Rentnern. Viele beginnen damit, ihre aktuellen Ausgaben aufzulisten und in die Zukunft zu projizieren – ein logischer, aber fatalerweise unvollständiger Ansatz. Man berücksichtigt zwar den Wegfall von Arbeitswegkosten oder die Reduktion berufsbedingter Ausgaben, unterschätzt aber systematisch die neuen, dynamischen Kräfte, die auf das Vermögen einwirken werden. Die Angst, dass das Geld nicht reicht, wurzelt oft in dieser statischen Sichtweise, die die Realität eines 20- bis 30-jährigen Ruhestands ignoriert.
Die gängigen Ratschläge konzentrieren sich auf das Anhäufen von Kapital vor der Pensionierung. Doch was, wenn der Schlüssel nicht nur in der Höhe des Ersparten liegt, sondern in der Strategie, wie dieses Kapital über Jahrzehnte hinweg orchestriert wird? Ein realistisches Budget ist kein starres Dokument, sondern ein anpassungsfähiger Finanzplan. Er funktioniert wie ein System von kommunizierenden Röhren, bei dem jede Entscheidung – von der Hypothekenamortisation bis zum Zeitpunkt des AHV-Bezugs – eine kalkulierte Arbitrage darstellt, um die beiden grössten Gegner zu neutralisieren: die Inflation und unvorhergesehene Grossausgaben.
Dieser Leitfaden bricht mit der Idee der simplen Ausgabenliste. Stattdessen analysieren wir die entscheidenden finanziellen Hebel, die Ihr Budget robust und resilient machen. Wir werden die Kostenverschiebungen präzise beziffern, Strategien zum Schutz vor Geldentwertung aufzeigen und die steuerlichen Arbitragen bei Hypothek und Kapitalbezug durchrechnen. Ziel ist es, Ihnen ein analytisches Rüstzeug zu geben, um ein Budget zu erstellen, das nicht nur heute realistisch ist, sondern es auch in 20 Jahren noch sein wird.
Um diese komplexe Planung übersichtlich zu gestalten, gliedert sich dieser Artikel in präzise Analysebereiche. Die folgende Übersicht führt Sie durch die zentralen finanziellen Weichenstellungen für einen sorgenfreien Ruhestand.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Weg zum krisenfesten Pensionsbudget
- Welche Kosten fallen weg und welche (Gesundheit) steigen massiv an?
- Wie schützen Sie Ihre Rente vor der schleichenden Geldentwertung über 20 Jahre?
- Hypothek amortisieren oder Geld anlegen: Was lohnt sich steuerlich mehr?
- Wie viel dürfen Sie monatlich vom Ersparten entnehmen, damit es bis 90 reicht?
- Wie hoch muss die eiserne Reserve für Zahnarzt oder Heizungsausfall sein?
- Warum verweigert die Bank die Hypothek trotz hohem Eigenkapital?
- Wie plant man die Pensionierung in der Schweiz ohne Versorgungslücke?
- AHV-Rente vorbeziehen oder aufschieben: Was lohnt sich für Ihre Lebenserwartung?
Welche Kosten fallen weg und welche (Gesundheit) steigen massiv an?
Ein fundamentaler Fehler bei der Budgetplanung für die Pensionierung ist die Annahme stabiler Lebenshaltungskosten. In Wahrheit findet eine drastische Umverteilung der Ausgaben statt. Während Kosten für den Arbeitsweg, auswärtige Verpflegung oder Berufskleidung wegfallen, explodieren andere Posten. Der grösste Treiber sind dabei die Gesundheitskosten. Mit zunehmendem Alter steigen nicht nur die Krankenkassenprämien, sondern auch die nicht gedeckten Ausgaben für Zahnbehandlungen, Hilfsmittel oder alternative Therapien. Aktuellen Zahlen zufolge belaufen sich die durchschnittlichen Gesundheitsausgaben in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik auf monatlich 881 Franken pro Kopf, ein Wert, der im Alter tendenziell deutlich überschritten wird.
Ein realistisches Budget muss diese Verschiebung antizipieren und den Ruhestand in Phasen unterteilen, wie es das 3-Phasen-Budgetmodell nahelegt:
- Phase 1 (ca. 65-75 Jahre): Die aktive Phase ist oft von höheren Ausgaben für Reisen, Hobbys und Freizeitaktivitäten geprägt. Die körperliche Fitness ist hoch, der Wunsch nach neuen Erlebnissen gross.
- Phase 2 (ca. 75-85 Jahre): In dieser ruhigeren Phase stabilisieren sich die Lebenshaltungskosten. Die Ausgaben für Reisen nehmen tendenziell ab, während die Gesundheitskosten langsam zu steigen beginnen.
- Phase 3 (ab 85 Jahren): Diese Phase ist oft durch eine erhöhte Pflegebedürftigkeit gekennzeichnet. Die Kosten für Betreuung, Pflegeheim oder Spitex-Dienste können das Budget massiv belasten und alle anderen Ausgaben dominieren.
Die Budgetierung muss daher dynamisch sein. Statt eines fixen Monatsbetrags sollten Sie Budgets für diese drei Lebensphasen kalkulieren. Insbesondere die potenzielle Kostenexplosion in Phase 3 muss durch eine ausreichend dimensionierte Rücklage oder eine entsprechende Versicherungslösung abgesichert werden, um das restliche Vermögen nicht aufzuzerren.
Wie schützen Sie Ihre Rente vor der schleichenden Geldentwertung über 20 Jahre?
Der stille Feind jedes Pensionsbudgets ist die Inflation. Eine durchschnittliche Teuerung von nur 2% halbiert die Kaufkraft Ihres Geldes in 36 Jahren. Für einen Ruhestand, der 20 bis 30 Jahre dauert, ist dieser Effekt verheerend. Sich allein auf die Renten aus AHV und Pensionskasse zu verlassen, ist riskant. Diese decken oft nur 60% bis 70% des letzten Einkommens ab und werden, insbesondere bei Pensionskassen, oft nur unzureichend an die Teuerung angepasst. Ein Grossteil Ihres Vermögens muss also so angelegt werden, dass es die Inflation nicht nur ausgleicht, sondern idealerweise übertrifft, um den Kapitalerhalt zu sichern.
Das Kapital einfach auf einem Sparkonto zu belassen, führt zu einem garantierten Kaufkraftverlust. Die Lösung liegt in einer disziplinierten Anlagestrategie, die das Vermögen intelligent aufteilt. Eine bewährte Methode hierfür ist die „Bucket-Strategie“ (Eimer-Strategie). Sie teilt das Vermögen in drei Töpfe mit unterschiedlichen Zielen und Risikoprofilen, um Liquidität, Sicherheit und Wachstum auszubalancieren.
- Bucket 1 (Liquidität): Dieser Topf enthält Bargeld und Geldmarktanlagen für die laufenden Ausgaben der nächsten 2-3 Jahre. Er bietet maximale Sicherheit und Verfügbarkeit, aber keine Rendite. Seine Aufgabe ist es, Sie vor kurzfristigen Marktschwankungen zu schützen, damit Sie nie gezwungen sind, Anlagen zu einem schlechten Zeitpunkt zu verkaufen.
- Bucket 2 (Sicherheit): Hier befinden sich Anlagen mit moderatem Risiko wie hochwertige Schweizer Anleihen. Dieser Topf soll den Kapitalbedarf für die nächsten 4-10 Jahre decken und eine stabile, inflationsnahe Rendite erwirtschaften.
- Bucket 3 (Wachstum): Dieser Topf ist auf langfristigen Kapitalerhalt und -wachstum ausgelegt. Er enthält Anlagen mit höherem Risiko und höherer Renditeerwartung, vor allem Aktien und Aktienfonds. Er ist der Motor, der die Inflation schlägt und sicherstellt, dass Ihr Vermögen über die gesamte Dauer des Ruhestands nicht an Wert verliert.
Diese strategische Aufteilung ist das Kernstück des Kaufkraft-Erhalts. Sie stellt sicher, dass Sie kurzfristig liquide bleiben, während Ihr langfristiges Kapital die Möglichkeit hat, rentabel zu wachsen und die Geldentwertung zu kompensieren. Es ist ein klassischer finanztechnischer Arbitrage zwischen Sicherheit und Rendite.
Hypothek amortisieren oder Geld anlegen: Was lohnt sich steuerlich mehr?
Für Eigenheimbesitzer im Rentenalter stellt sich eine der wichtigsten finanziellen Arbitrage-Fragen: Soll die Hypothek aggressiv amortisiert werden, um schuldenfrei zu sein, oder ist es klüger, das Geld anzulegen und die Hypothekarschuld für steuerliche Vorteile bestehen zu lassen? Die Antwort ist nicht pauschal, sondern hängt von einer präzisen mathematischen und steuerlichen Abwägung ab. Die emotionale Sicherheit der Schuldenfreiheit steht dem rationalen Potenzial der Steueroptimierung gegenüber.

Grundsätzlich gibt es in der Schweiz zwei Wege der Amortisation, deren steuerliche Konsequenzen sich massiv unterscheiden. Die Wahl zwischen direkter und indirekter Amortisation ist eine der wirkungsvollsten Weichenstellungen für Ihr Pensionsbudget. Die indirekte Amortisation über die Säule 3a ist in den meisten Fällen die steuerlich deutlich vorteilhaftere Variante.
Der folgende Vergleich zeigt die zentralen Unterschiede auf, wie eine Analyse der Amortisationsmodelle verdeutlicht:
| Kriterium | Direkte Amortisation | Indirekte Amortisation |
|---|---|---|
| Schuldenabbau | Regelmässige Reduktion | Erst bei Pensionierung |
| Steuerersparnis | Sinkend (weniger Schuldzinsen) | Doppelt (3a-Abzug + Schuldzinsen) |
| Flexibilität | Weniger flexibel | Kapital in Säule 3a verfügbar |
| Empfehlung | Nur bei hohem Vermögen | Meist vorteilhafter |
Die Logik ist klar: Bei der indirekten Amortisation zahlen Sie die Beträge in ein Säule-3a-Konto ein, anstatt direkt an die Bank. Dieses Konto dient der Bank als Sicherheit. Dadurch bleibt Ihre Hypothekarschuld über die gesamte Laufzeit konstant hoch, was bedeutet, dass Sie jedes Jahr den maximalen Schuldzinsenabzug vom steuerbaren Einkommen geltend machen können. Gleichzeitig können Sie die Einzahlungen in die Säule 3a ebenfalls vom steuerbaren Einkommen abziehen. Dieser doppelte Steuervorteil übertrifft die Zinslast der Hypothek in den meisten Niedrigzinsphasen bei weitem.
Wie viel dürfen Sie monatlich vom Ersparten entnehmen, damit es bis 90 reicht?
Die Frage nach der nachhaltigen Entnahmerate ist das Herzstück der Pensionsplanung und eine Quelle grosser Unsicherheit. Eine bekannte Faustregel aus den USA ist die „4-Prozent-Regel“, die besagt, dass man jährlich 4% des Anfangsvermögens entnehmen kann, ohne dass das Kapital je ausgeht. Doch diese Regel ist für die Schweiz nur bedingt anwendbar. Sie ignoriert die hiesige Steuerlandschaft, insbesondere die Kapitalauszahlungssteuer bei Pensionskassen- und 3a-Guthaben sowie die Vermögenssteuer, die das Nettovermögen schmälern.
Ein realistischer Entnahmeplan ist daher weniger eine fixe Prozentzahl als vielmehr eine intelligente Strategie. Die Kernfrage ist nicht nur „wie viel?“, sondern „woher und wann?“. Die Optimierung liegt in der Minimierung der Steuerlast durch eine geschickte Staffelung der Bezüge. Ein unkoordinierter Bezug von Vorsorgegeldern kann durch die Steuerprogression zu massiven und unnötigen Abgaben führen. Ein Betrag von CHF 500’000, auf einmal bezogen, wird deutlich höher besteuert als fünf Bezüge à CHF 100’000 über fünf Jahre verteilt.
Die Entnahmestrategie wird damit zu einem weiteren entscheidenden finanziellen Arbitrage. Statt einer pauschalen Entnahmerate sollten Sie einen steueroptimierten Plan verfolgen, der die Progression bricht und die Abgabenlast minimiert. Dies schont das Kapital und erhöht die monatlich verfügbare Rente.
Checkliste: Ihre steueroptimierte Entnahmestrategie
- Kapitalbezüge planen: Verteilen Sie den Bezug von Geldern aus der 2. und 3. Säule über mehrere Jahre, um die Steuerprogression zu brechen.
- 3a-Konten splitten: Eröffnen Sie frühzeitig mehrere 3a-Konten (z.B. vier bis fünf), um diese später gestaffelt und flexibel auflösen zu können.
- Bezüge koordinieren: Stimmen Sie den Zeitpunkt des Bezugs von 3a-Guthaben und Pensionskassengeldern aufeinander ab, um Steuerhochs in einem einzelnen Jahr zu vermeiden.
- Kantonale Unterschiede prüfen: Analysieren Sie die Steuersätze für Kapitalbezüge in Ihrem Wohnkanton. Ein Umzug kurz vor der Pensionierung kann sich unter Umständen lohnen.
- Zeitpunkt festlegen: Legen Sie einen detaillierten Zeitplan fest, welches Konto in welchem Jahr aufgelöst wird, um maximale Steuerersparnis zu erzielen.
Eine sorgfältige Planung der Entnahmen kann Ihre Nettorente um Tausende von Franken pro Jahr erhöhen. Es ist der Unterschied zwischen einem Vermögen, das schnell schmilzt, und einem, das nachhaltig für den Lebensunterhalt sorgt.
Wie hoch muss die eiserne Reserve für Zahnarzt oder Heizungsausfall sein?
Eine „eiserne Reserve“ ist im Ruhestand mehr als nur ein Notgroschen; sie ist der finanzielle Stossdämpfer, der Ihr gesamtes Pensionsbudget vor dem Kollaps bewahrt. Ein grosser unvorhergesehener Posten – sei es eine teure Zahnimplantation, eine defekte Heizung oder eine grössere Autoreparatur – kann einen sorgfältig geplanten Entnahmeplan komplett über den Haufen werfen. Ihn aus dem für den Lebensunterhalt vorgesehenen Kapital zu decken, ist der erste Schritt in die Versorgungslücke. Daher muss die Reserve separat budgetiert und klar definiert sein.

Anstatt einer pauschalen Summe hat sich in der Praxis eine segmentierte Reserve bewährt. Dabei werden für die grössten Risikobereiche separate „Töpfe“ gebildet. Wie eine Empfehlung der Mobiliar zur Budgetplanung aufzeigt, ist eine dreiteilige Struktur sinnvoll, um die Reserve präzise zu dimensionieren und mental zuzuordnen.
Praxisbeispiel: Die segmentierte eiserne Reserve
Ein Ehepaar im Ruhestand segmentiert seine Reserve wie folgt:
- Topf 1: Gesundheit. Hier wird die maximale Jahresfranchise plus der Selbstbehalt der Krankenkasse hinterlegt. Bei einer Franchise von CHF 2’500 und einem Selbstbehalt von CHF 700 sind das mindestens CHF 3’200 pro Person, die sofort verfügbar sein müssen.
- Topf 2: Immobilienunterhalt. Als Hauseigentümer budgetieren sie jährlich 1% des Gebäudewerts (z.B. CHF 8’000 bei einem Wert von CHF 800’000) für unerwartete Reparaturen wie ein defektes Dach oder eine neue Heizung.
- Topf 3: Allgemeine Notfälle. Zusätzlich halten sie einen Puffer von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem separaten Konto für alle anderen unvorhersehbaren Ereignisse (Autoreparatur, Ersatz von Haushaltsgeräten etc.).
Diese Segmentierung stellt sicher, dass ein einzelnes Ereignis nicht die gesamte Reserve aufbraucht und die Liquidität für andere Bereiche erhalten bleibt.
Diese Reserve muss absolut liquide und sicher sein, also auf einem Sparkonto und nicht in Wertschriften angelegt werden. Sie generiert keine Rendite, aber ihre „Rendite“ ist die Absicherung Ihres Lebensstandards und die Vermeidung von teuren Notverkäufen von Anlagen. Sie ist die teuerste, aber wichtigste Versicherung für Ihr Pensionsbudget.
Warum verweigert die Bank die Hypothek trotz hohem Eigenkapital?
Es ist ein Szenario, das viele angehende Rentner überrascht und in Panik versetzt: Sie möchten ihre auslaufende Hypothek erneuern, doch die Bank lehnt ab – obwohl das Haus zu einem grossen Teil abbezahlt ist und erhebliches Vermögen vorhanden ist. Der Grund liegt in einer rein mathematischen Berechnung, der sogenannten „Tragbarkeit“. Banken sind gesetzlich verpflichtet zu prüfen, ob die Hypothek auch unter erschwerten Bedingungen tragbar wäre. Dafür rechnen sie nicht mit dem aktuellen Zins, sondern mit einem kalkulatorischen Zinssatz von typischerweise 5%.
Das eigentliche Problem entsteht durch die zweite Variable in der Rechnung: das Einkommen. Für die Tragbarkeitsrechnung zählt nicht Ihr heutiges Gehalt, sondern Ihr zukünftiges Renteneinkommen aus AHV und Pensionskasse. Dieses ist in der Regel markant tiefer als der letzte Lohn. Die kalkulatorischen Kosten für die Hypothek (Zinsen, Amortisation, Unterhalt) dürfen dabei ein Drittel des Renteneinkommens nicht übersteigen. Hier schnappt die „Tragbarkeits-Falle“ zu.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das Problem:
- Renteneinkommen (AHV + PK): CHF 70’000 pro Jahr
- Erlaubte Maximalbelastung (1/3): ca. CHF 23’300 pro Jahr
- Bestehende Hypothek: CHF 400’000
- Kalkulatorische Kosten: 5% Zinsen (CHF 20’000) + 1% Unterhalt (CHF 4’000) = CHF 24’000
Obwohl die realen Zinskosten viel tiefer wären, übersteigen die kalkulatorischen Kosten von CHF 24’000 die erlaubte Belastung von CHF 23’300. Die Hypothek gilt als nicht tragbar und wird nicht erneuert. Die Bank kann Sie zwingen, einen Teil Ihres Vermögens zu verwenden, um die Hypothek zu reduzieren, oder im schlimmsten Fall droht der Zwangsverkauf des Eigenheims. Deshalb ist es entscheidend, die Hypothekarsumme spätestens 5-10 Jahre vor der Pensionierung auf ein Niveau zu senken, das auch mit dem Renteneinkommen tragbar ist.
Wie plant man die Pensionierung in der Schweiz ohne Versorgungslücke?
Eine Versorgungslücke entsteht nicht über Nacht. Sie ist das Resultat einer Kette von unterlassenen oder falsch eingeschätzten finanziellen Arbitragen über Jahre hinweg. Die Planung einer Pensionierung ohne Lücke bedeutet daher, das Zusammenspiel der drei Schweizer Vorsorgesäulen (AHV, Pensionskasse, Säule 3a) aktiv zu gestalten und auf die dynamischen Risiken des Ruhestands auszurichten. Es geht darum, die Kontrolle über die finanzielle Zukunft zu übernehmen, anstatt passiv auf die Rentenbescheide zu warten.
- Die 1. Säule (AHV): Sie bildet das Fundament, ist aber allein nicht existenzsichernd. Der wichtigste strategische Hebel hier ist die Entscheidung über Vorbezug oder Aufschub, ein direkter Arbitrage zwischen sofortiger Liquidität und höherer lebenslanger Rente.
- Die 2. Säule (Pensionskasse): Sie ist der grösste Kapitalstock für die meisten Angestellten. Hier lautet die zentrale Arbitrage: Kapitalbezug oder Rente? Ein Kapitalbezug bietet Flexibilität und Potenzial für höhere Renditen (siehe Bucket-Strategie), birgt aber auch das Langlebigkeits- und Anlagerisiko. Die Rente bietet Sicherheit, aber keine Flexibilität und ist oft unzureichend gegen Inflation geschützt.
- Die 3. Säule (Säule 3a/3b): Sie ist das flexibelste und steuerlich potenteste Instrument. Wie gesehen, ist sie der Schlüssel zur indirekten Amortisation und zur Brechung der Steuerprogression bei der Auszahlung. Sie nicht zu nutzen, bedeutet, auf die grössten Optimierungspotenziale zu verzichten.
Die Schliessung der Versorgungslücke ist also kein Sparakt, sondern ein intelligentes Orchestrieren dieser drei Säulen. Ein lückenloser Plan beantwortet nicht nur, wie viel man hat, sondern wie das Kapital strategisch eingesetzt wird, um die Kaufkraft zu erhalten (Anlagestrategie), die Steuerlast zu minimieren (Entnahmestrategie) und die Wohnsituation zu sichern (Hypothekenstrategie). Es ist die Summe der richtigen Entscheidungen, die aus einem Budget einen robusten, lebenslangen Finanzplan macht.
Die Nichtbeachtung dieser Zusammenhänge führt unweigerlich zu einer Lücke, die später nur noch schmerzhaft durch eine drastische Reduktion des Lebensstandards geschlossen werden kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Pensionsbudget muss dynamisch sein und die massiv steigenden Gesundheitskosten sowie die abnehmenden Freizeitkosten über drei Lebensphasen abbilden.
- Zum Schutz vor Inflation ist eine Anlagestrategie (z.B. Bucket-Strategie) unerlässlich, da Sparkonten einen garantierten Kaufkraftverlust bedeuten.
- Die Tragbarkeit einer Hypothek muss mit dem zukünftigen Renteneinkommen und einem kalkulatorischen Zinssatz von 5% neu berechnet werden, um einen Zwangsverkauf zu vermeiden.
AHV-Rente vorbeziehen oder aufschieben: Was lohnt sich für Ihre Lebenserwartung?
Die Entscheidung, die AHV-Rente vorzubeziehen oder aufzuschieben, ist eine der fundamentalsten Arbitrage-Entscheidungen bei der Pensionsplanung. Es ist eine direkte Wette auf die eigene Lebenserwartung und Gesundheit, verpackt in eine finanzmathematische Formel. Ein Vorbezug (bis zu zwei Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter) führt zu einer lebenslangen Kürzung der Rente, während ein Aufschub (bis zu fünf Jahre) sie lebenslang erhöht. Die Frage ist: Ab welchem Alter rentiert der Aufschub?
Die Berechnung des sogenannten „Break-even-Punkts“ ist hier zentral. Dies ist das Alter, ab dem die Summe der höheren, aufgeschobenen Rentenzahlungen die Summe der Renten, auf die man während der Aufschubzeit verzichtet hat, übersteigt. Dieser Punkt liegt je nach individueller Situation und Geschlecht typischerweise zwischen 82 und 85 Jahren. Wer deutlich älter wird, profitiert finanziell vom Aufschub. Wer vorher verstirbt, hätte mit einem Vorbezug oder einem ordentlichen Bezug mehr Geld aus der AHV erhalten.
Folgende Faktoren müssen in die Kalkulation einbezogen werden:
- Gesundheitszustand und Lebenserwartung: Eine realistische, wenn auch nüchterne, Einschätzung der eigenen Lebenserwartung ist die wichtigste Variable. Familiengeschichte und persönlicher Lebensstil sind hier Indikatoren.
- Finanzieller Bedarf: Wer auf das Geld angewiesen ist, um die Zeit bis zur ordentlichen Pensionierung zu überbrücken, für den ist ein Vorbezug oft alternativlos, trotz der Kürzung.
- Steuerliche Situation: Ein Aufschub kann die steuerbare Rente im Alter erhöhen. Dies muss mit der gesamten Steuerstrategie koordiniert werden, um nicht in eine höhere Progression zu fallen.
Es gibt keine universell richtige Antwort. Für einen gesunden 70-Jährigen mit anderweitigem Einkommen und guter familiärer Genetik kann der Aufschub eine lohnende Wette auf die Langlebigkeit sein. Für jemanden, der mit 63 aufhören möchte zu arbeiten und das Geld zur Überbrückung braucht, ist der Vorbezug die pragmatische Wahl. Dieser erste grosse Arbitrage setzt den Ton für die gesamte finanzielle Zukunft im Ruhestand.
Um diese komplexen Arbitragen für Ihre persönliche Situation zu kalkulieren und ein Budget zu erstellen, das Ihnen Sicherheit gibt, ist eine detaillierte und professionelle Finanzplanung der nächste logische Schritt.