
Die Umwandlung öffentlicher Plätze in seniorengerechte Treffpunkte erfordert mehr als nur bauliche Anpassungen; sie verlangt eine bewusste Gestaltung, die soziale Begegnungen gezielt fördert.
- Essenzielle soziale Infrastruktur wie Toiletten und Bänke bildet die Grundlage für Mobilität und Aufenthalt.
- Gezielte Angebote in Quartierzentren und konsumfreie Zonen schaffen inklusive Räume für alle.
- Ein generationenübergreifendes Design, das spontane Interaktionen ermöglicht, ist der Schlüssel zu lebendigen Quartieren.
Empfehlung: Denken Sie als Planer oder Bürger über reine Barrierefreiheit hinaus und gestalten Sie aktiv Räume, die aus Transitwegen echte Lebensräume machen.
Die demografische Entwicklung in der Schweiz stellt unsere Städte und Gemeinden vor eine zentrale Herausforderung: Wie gestalten wir den öffentlichen Raum so, dass er für eine alternde Bevölkerung nicht nur zugänglich, sondern auch attraktiv und einladend ist? Oft beschränkt sich die Diskussion auf technische Aspekte wie Rampen oder die Beseitigung von Hindernissen. Diese sind zweifellos wichtig, greifen aber zu kurz. Ein wirklich seniorengerechtes Quartier erkennt man nicht allein an seiner physischen Barrierefreiheit, sondern an seiner Fähigkeit, soziale Teilhabe und Lebensqualität zu fördern. Es geht um die Schaffung von Orten, an denen man sich gerne aufhält, sich sicher fühlt und unkompliziert mit anderen in Kontakt kommt.
Doch was, wenn der Schlüssel nicht nur in der Beseitigung von Barrieren liegt, sondern in der aktiven Schaffung von Anlässen für Begegnungen? Dieser Ansatz verschiebt den Fokus von einer rein funktionalen Sichtweise hin zu einer sozialen. Es geht darum, eine „Architektur der Begegnung“ zu entwickeln, die den öffentlichen Raum von einem reinen Transitraum in einen pulsierenden Lebensraum verwandelt. Dieser Artikel beleuchtet aus der Perspektive eines gemeinwohlorientierten Stadtplaners, wie durchdachte Infrastruktur, generationenübergreifende Konzepte und die Förderung von sozialen Netzwerken öffentliche Plätze zu Orten machen, die das Quartierleben für alle Generationen bereichern. Wir werden konkrete Beispiele aus Schweizer Städten analysieren und praxistaugliche Strategien aufzeigen.
Der folgende Leitfaden gliedert sich in acht zentrale Handlungsfelder. Jedes Kapitel beleuchtet einen spezifischen Aspekt der seniorengerechten Quartiergestaltung und zeigt auf, wie aus guten Absichten lebendige und inklusive öffentliche Räume werden.
Inhaltsverzeichnis: Strategien für lebenswerte öffentliche Räume für Senioren
- Die „Nette Toilette“: Warum ist die Infrastruktur entscheidend für die Mobilität?
- Was bieten die GZ in Zürich und Bern speziell für die Generation 60+?
- Tempo 30 und lange Grünphasen: Was macht eine Kreuzung seniorenfreundlich?
- Boule-Bahn neben Klettergerüst: Wie funktioniert die Durchmischung?
- Warum brauchen Quartiere nichtkommerzielle Treffpunkte ohne Konsumzwang?
- Warum ist die Nachbarschaftshilfe oft verlässlicher als die weit entfernte Verwandtschaft?
- Wo gibt es in Schweizer Städten Bänke, die explizit zum Reden einladen?
- Kulturlegi und Seniorenrabatte: Wie geniessen Sie Schweizer Kultur zum halben Preis?
Die „Nette Toilette“: Warum ist die Infrastruktur entscheidend für die Mobilität?
Die Mobilität älterer Menschen beginnt nicht erst an der Bushaltestelle, sondern bereits bei der Planung des eigenen Ausflugs. Ein entscheidender, oft unterschätzter Faktor ist die Verfügbarkeit von öffentlicher Basisinfrastruktur. Die einfache Frage „Wo finde ich unterwegs eine Toilette?“ kann darüber entscheiden, ob jemand das Haus überhaupt verlässt. Initiativen wie die „Nette Toilette“, bei der lokale Gastronomen ihre WCs öffentlich zur Verfügung stellen, sind daher weit mehr als ein Service – sie sind ein zentraler Baustein der sozialen Infrastruktur, die Selbstständigkeit und Teilhabe ermöglicht. Ohne eine verlässliche und dichte Kette an Ruhemöglichkeiten und sanitären Anlagen wird der Bewegungsradius künstlich eingeschränkt.
Eine durchdachte Infrastruktur stärkt das Vertrauen in die eigene Mobilität. Wie die deutsche Demenzstrategie zeigt, fördern klare räumliche Strukturen und ein sicheres Umfeld die Selbstständigkeit im Alltag. Es geht darum, eine lückenlose Mobilitätskette zu schaffen: von der barrierefreien Wohnungstür über sichere Gehwege mit Handläufen bis hin zu gut erreichbaren Haltestellen mit Wetterschutz. Jedes Glied dieser Kette ist entscheidend. Fehlt nur eines, wie zum Beispiel eine Sitzbank zum Ausruhen, kann die gesamte Kette brechen. Die Planung muss daher den gesamten Weg aus der Perspektive einer Person mit eingeschränkter Mobilität denken und nicht nur isolierte Punkte optimieren.

Die Abbildung verdeutlicht, wie Details wie ein ergonomischer Türgriff und eine gute Ausleuchtung den Unterschied machen. Es ist diese Detailversessenheit, die aus einem funktionalen Raum einen wirklich nutzerfreundlichen Ort macht. Die Investition in hochwertige, gut gewartete Infrastruktur ist eine Investition in die soziale Inklusion und die Lebensqualität eines ganzen Quartiers. Sie signalisiert Wertschätzung und schafft die Voraussetzung dafür, dass Menschen aller Altersgruppen den öffentlichen Raum als ihren eigenen ansehen und nutzen.
Aktionsplan: Die seniorengerechte Mobilitätskette im Quartier prüfen
- Barrierefreie Bushaltestellen mit Sitzmöglichkeiten und Wetterschutz einrichten.
- Durchgängige Handläufe entlang der Hauptfusswege installieren.
- Öffentliche Toiletten in regelmässigen Abständen (max. 500m) positionieren oder „Nette Toilette“-Netzwerke aufbauen.
- Klare Beschilderung mit grossen, kontrastreichen Schriften an wichtigen Knotenpunkten anbringen.
- Ruhebänke systematisch alle 100-150 Meter entlang der Hauptfusswege platzieren.
Was bieten die GZ in Zürich und Bern speziell für die Generation 60+?
Während eine gute Basisinfrastruktur die physische Bewegung im Quartier ermöglicht, füllen organisierte Treffpunkte wie die Gemeinschaftszentren (GZ) diese Räume mit Leben. Sie sind die soziale Herzkammer eines Quartiers und bieten weit mehr als nur einen warmen Raum. Speziell für die Generation 60+ haben sie sich zu wichtigen Anlaufstellen entwickelt, die gezielt auf die Bedürfnisse und Interessen älterer Menschen eingehen. Sie bieten strukturierte Angebote, die von Jass-Nachmittagen über Bewegungskurse bis hin zu digitalen Lernangeboten reichen und damit sowohl der Vereinsamung entgegenwirken als auch neue Kompetenzen fördern.
Ein herausragendes Beispiel ist die digitale Teilhabe. Angesichts der Tatsache, dass über 70 % der Menschen über 60 Jahre in der Schweiz 2021 das Internet täglich nutzten, wird der Bedarf an Unterstützung offensichtlich. Initiativen wie die Digital Cafés, die etwa von Pro Senectute beider Basel an sechs Standorten angeboten werden, schliessen hier eine wichtige Lücke. Sie bieten kostenlose und unkomplizierte Hilfe bei Fragen zu Smartphone und Tablet. Solche Angebote sind eine moderne Form der Nachbarschaftshilfe, die digitale Hürden abbaut und die Selbstständigkeit im digitalen Alltag stärkt. Sie verwandeln die GZ in Lernorte und schaffen Brücken zwischen der analogen und digitalen Welt.
Die Angebote gehen jedoch über das Digitale hinaus. Organisationen wie Pro Senectute betonen die Wichtigkeit von Geselligkeit. In ihren eigenen Worten:
Möchten Sie Ihre Freizeit oder Ihre Ferien in geselliger Runde verbringen? Bei Pro Senectute können Sie aus einem breiten Angebot von Veranstaltungen, Freizeitaktivitäten und Seniorenreisen wählen.
– Pro Senectute Schweiz, Offizielle Webseite Pro Senectute
Diese Vielfalt macht deutlich: Gemeinschaftszentren und ähnliche Institutionen sind unverzichtbare Akteure der Quartierentwicklung. Sie schaffen konsumfreie Begegnungsräume, in denen soziale Kontakte gepflegt und neue Interessen entdeckt werden können. Für Stadtplaner bedeutet das, die Rolle dieser Zentren anzuerkennen und ihre Anbindung an das öffentliche Verkehrs- und Wegenetz optimal zu gestalten.
Tempo 30 und lange Grünphasen: Was macht eine Kreuzung seniorenfreundlich?
Eine Kreuzung ist ein potenzieller Stresspunkt in der Mobilitätskette eines älteren Menschen. Die Geschwindigkeit des Verkehrs, die Dauer der Grünphasen und die Übersichtlichkeit entscheiden darüber, ob die Strassenüberquerung als sicheres und beherrschbares Ereignis oder als unüberwindbare Hürde wahrgenommen wird. Eine seniorenfreundliche Kreuzung zeichnet sich daher durch eine Verkehrsberuhigung und eine an die langsamsten Verkehrsteilnehmer angepasste Zeitplanung aus. Tempo-30-Zonen sind hierbei ein entscheidendes Instrument. Sie reduzieren nicht nur die Unfallgefahr, sondern senken auch den Lärmpegel und erhöhen die gefühlte Sicherheit, was Menschen ermutigt, sich zu Fuss im Quartier zu bewegen.
Neben der Geschwindigkeit ist die Zeit der entscheidende Faktor. Ampelschaltungen mit verlängerten Grünphasen für Fussgänger sind eine einfache, aber hochwirksame Massnahme. Sie nehmen den Druck, die Strasse in Eile überqueren zu müssen, und geben auch Menschen mit Gehhilfen oder Rollatoren die nötige Sicherheit. Zusätzlich helfen taktile Leitsysteme im Boden und akustische Signale sehbehinderten Menschen bei der Orientierung. Mittelinseln bieten zudem eine sichere Zuflucht auf halbem Weg, was besonders bei mehrspurigen Strassen von grosser Bedeutung ist. Es geht darum, die Hoheit über den Strassenraum vom Auto zurück zum Menschen zu verlagern.
Exzellente Beispiele für eine fussgänger- und damit auch seniorenfreundliche Verkehrsplanung werden regelmässig mit Preisen wie dem „Flâneur d’Or“ ausgezeichnet. So erhielten die Städte Baden und Ennetbaden diese Auszeichnung für ihre Fussgängerbrücke über die Limmat, die als „Quantensprung für die Entwicklung des Fussverkehrs“ bezeichnet wurde. Solche Projekte zeigen, dass mutige Investitionen in die Infrastruktur für den Langsamverkehr einen enormen Mehrwert für die Lebensqualität schaffen. Sie verbinden nicht nur zwei Orte, sondern schaffen auch attraktive Aufenthalts- und Begegnungsräume. Eine gut gestaltete Kreuzung oder Brücke ist somit mehr als nur ein Transitpunkt – sie wird selbst zum Teil des positiven Quartiererlebnisses.
Boule-Bahn neben Klettergerüst: Wie funktioniert die Durchmischung?
Die Idee von Generationenparks ist populär, doch oft scheitert die Umsetzung an einer zu starren Trennung der Bereiche: hier die Senioren-Fitnessgeräte, dort der Kinderspielplatz. Wirkliche Durchmischung entsteht nicht durch blosses Nebeneinander, sondern durch eine intelligente Verschränkung von Angeboten, die geplante Spontaneität ermöglicht. Eine Boule-Bahn direkt neben einem Klettergerüst ist ein perfektes Beispiel für eine solche „Architektur der Begegnung“. Sie schafft eine natürliche Situation, in der Grosseltern mit ihren Enkeln Zeit verbringen oder sich spontane Gespräche zwischen zuschauenden Eltern und spielenden Senioren ergeben können. Der Schlüssel liegt darin, Aktivitäten für verschiedene Altersgruppen im selben Sicht- und Hörfeld zu platzieren.
Diese Form der Planung fördert nicht nur das gegenseitige Verständnis, sondern wirkt auch aktiv der Altersdiskriminierung entgegen. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont, ist die Förderung von Generationenprojekten eine der effektivsten Strategien dagegen.
Die WHO empfiehlt in ihrem Bericht über Altersdiskriminierung, diese am besten mit Generationenprojekten zu bekämpfen.
– Weltgesundheitsorganisation, WHO Bericht ‚Altersgerechte Umfelder in Europa‘
Öffentliche Räume, in denen sich Jung und Alt auf Augenhöhe begegnen, bauen Vorurteile ab und stärken den sozialen Zusammenhalt. Die gemeinsame Nutzung des Raumes führt zu einer informellen sozialen Kontrolle, erhöht das Sicherheitsempfinden für alle und macht den Park zu einem echten Treffpunkt für das gesamte Quartier.

Die abgebildete Szene fängt die Essenz eines gelungenen Generationenparks ein: Es geht nicht um teure Spezialausstattung, sondern um das Schaffen von Atmosphären und Gelegenheiten. Ein Schachbrett-Tisch, eine lange Bank mit Blick auf spielende Kinder oder ein gemeinschaftlicher Grillplatz können mehr für die soziale Durchmischung tun als hochspezialisierte, aber getrennte Anlagen. Es ist die Kunst der Stadtplanung, den Rahmen für solche ungezwungenen, alltäglichen Begegnungen zu schaffen.
Warum brauchen Quartiere nichtkommerzielle Treffpunkte ohne Konsumzwang?
In einer zunehmend kommerzialisierten Gesellschaft wird der öffentliche Raum oft auf seine Funktion als Konsum- und Transitraum reduziert. Cafés, Restaurants und Geschäfte sind wichtige Orte der Begegnung, schliessen aber per Definition all jene aus, die nicht konsumieren können oder wollen. Für eine inklusive Quartierentwicklung sind daher konsumfreie Zonen von entscheidender Bedeutung. Dies sind Orte, an denen man sich einfach aufhalten, verweilen, lesen oder mit anderen ins Gespräch kommen kann, ohne den Druck zu verspüren, etwas kaufen zu müssen. Gut platzierte Bänke, überdachte Plätze, Parkanlagen oder öffentliche Bibliotheken sind solche unschätzbar wertvollen Räume.
Die Notwendigkeit solcher Orte wird besonders deutlich, wenn man die finanzielle Situation älterer Menschen betrachtet. Wie Erhebungen zeigen, ist die Armutsgefährdungsquote bei Senioren in der Schweiz tendenziell höher als bei jüngeren Altersgruppen. Ein Cafébesuch kann für Menschen mit einer knappen AHV-Rente zu einer finanziellen Belastung werden. Konsumfreie Treffpunkte stellen sicher, dass soziale Teilhabe kein Luxusgut ist, sondern ein Grundrecht bleibt. Sie sind ein Ausdruck von sozialer Nachhaltigkeit und demokratisieren den Zugang zum öffentlichen Leben. Sie ermöglichen Begegnungen auf Augenhöhe, unabhängig vom sozialen oder finanziellen Status der Personen.
Für Stadtplaner und Gemeinden bedeutet dies, bei jeder Neugestaltung oder Entwicklung eines Quartiers bewusst Flächen für nicht-kommerzielle Nutzungen vorzusehen und zu schützen. Dies kann eine einfache, aber gut gestaltete Plaza mit ausreichend Sitzgelegenheiten sein, ein zugänglicher Uferabschnitt oder ein Quartierpark, der mehr ist als nur eine Rasenfläche. Diese Räume sind keine „ungenutzten“ Flächen, sondern eine aktive Investition in den sozialen Kitt der Gesellschaft. Sie sind die Bühnen, auf denen sich das alltägliche, spontane und unbezahlbare Quartierleben abspielt. Die Schaffung solcher Orte ist ein klares politisches Statement für eine inklusive und solidarische Stadt.
Warum ist die Nachbarschaftshilfe oft verlässlicher als die weit entfernte Verwandtschaft?
Während familiäre Bindungen von unschätzbarem Wert sind, stellt die geografische Distanz oft eine praktische Hürde für die alltägliche Unterstützung dar. Kinder und Enkelkinder leben nicht immer im selben Quartier oder gar in derselben Stadt. In solchen Fällen erweist sich ein starkes soziales Netz vor Ort als entscheidender Faktor für die Lebensqualität im Alter. Die Nachbarschaftshilfe füllt genau diese Lücke: Sie ist spontan, unbürokratisch und basiert auf räumlicher Nähe. Ein Nachbar, der kurz beim Einkaufen hilft, eine Glühbirne wechselt oder einfach nur nach dem Rechten sieht, bietet eine Form der Sicherheit und Unterstützung, die eine weit entfernte Familie nur schwer leisten kann.
Das Schweizer Modell der Betreuung und Pflege im Alter basiert auf einem komplementären Zusammenspiel verschiedener Akteure. Professionelle Dienste wie die Spitex, die Unterstützung durch die Familie und die informelle Nachbarschaftshilfe ergänzen sich idealerweise. Besonders in innovativen Wohnformen wie dem Generationenwohnen in Genossenschaften zeigt sich das Potenzial dieses Modells. Hier ist die spontane, gegenseitige Hilfe oft ein integraler Bestandteil des Zusammenlebens. Die Stadtplanung kann solche Netzwerke indirekt fördern, indem sie Begegnungszonen innerhalb von Wohnsiedlungen schafft – etwa durch Gemeinschaftsräume, gemeinsame Gärten oder gut gestaltete Innenhöfe, die den Austausch unter den Bewohnern anregen.
Das Engagement in der Nachbarschaft ist oft Teil eines grösseren Netzwerks an Freiwilligenarbeit. Die Zahlen von Pro Senectute Schweiz sind hier beeindruckend: Wie die Organisation in ihrem Jahresbericht zeigt, arbeiten schweizweit rund 17’700 Freiwillige mit ihr zusammen, um Dienstleistungen für Senioren zu erbringen. Diese enorme Zahl verdeutlicht, wie stark der Wille zur gegenseitigen Unterstützung in der Gesellschaft verankert ist. Für die Quartierentwicklung bedeutet dies, Strukturen zu schaffen, die dieses Engagement erleichtern und sichtbar machen. Ein „Schwarzes Brett“ im Quartierzentrum, eine digitale Nachbarschafts-App oder die Unterstützung lokaler Vereine sind konkrete Massnahmen, um die Verlässlichkeit des lokalen sozialen Netzes zu stärken.
Wo gibt es in Schweizer Städten Bänke, die explizit zum Reden einladen?
Eine Bank ist nicht gleich eine Bank. Während eine klassische Parkbank oft der anonymen Erholung dient, kann ihr Design und ihre Platzierung sie zu einem aktiven Instrument der Kommunikation machen – einer „Architektur der Begegnung“. In der Schweiz experimentieren immer mehr Städte mit innovativen Sitzkonzepten, die explizit zum Verweilen und zum Gespräch einladen. Statt einfacher Bänke in einer Reihe, die den Blick in die gleiche Richtung lenken, werden geschwungene Formen, Sitzgruppen oder modulare Elemente eingesetzt, die eine vis-à-vis-Situation schaffen. Diese Anordnung erleichtert den Blickkontakt und senkt die Hemmschwelle, ein Gespräch zu beginnen. Es geht darum, soziale Interaktionen durch Design zu ermöglichen.
Ein Blick auf preisgekrönte Projekte des „Flâneur d’Or“ zeigt, wie vielfältig diese Ansätze sein können. Städte wie Liestal, Basel oder Zürich haben durch teils temporäre, teils permanente Eingriffe neue Qualitäten im öffentlichen Raum geschaffen.
Die folgende Tabelle, basierend auf einer Analyse innovativer Stadtgestaltungsprojekte, gibt einen Überblick über verschiedene Konzepte.
| Stadt | Konzept | Besonderheit | Zielgruppe |
|---|---|---|---|
| Liestal | Flexible Sitzgelegenheiten | Wandelbare Räume in der Rathausstrasse | Alle Generationen |
| Basel | Temporäre Fussgängerzone | Vielfältige Sitzmöglichkeiten | Stadtbewohner |
| Zürich | Sechseläutenplatz | Offener Platz für Jung und Alt | Generationenübergreifend |
Besonders das Beispiel Liestal, das für die Umgestaltung seiner Rathausstrasse ausgezeichnet wurde, zeigt die Wirkung solcher Massnahmen. Marionna Schlatter, Präsidentin von Fussverkehr Schweiz, fasste es bei der Preisverleihung treffend zusammen:
Mit wenigen, aber präzisen Eingriffen ist es gelungen, die Rathausstrasse in Liestal in einen lebendigen und schönen Stadtraum zu verwandeln, in dem die Menschen sich gut, gern und selbstverständlich zu Fuss bewegen.
– Marionna Schlatter, Präsidentin Fussverkehr Schweiz
Diese Aussage unterstreicht den Kerngedanken: Durchdachtes Design im Kleinen kann eine grosse Wirkung auf das soziale Leben im Grossen haben. Eine Bank wird so vom reinen Sitzmöbel zum Katalysator für Gemeinschaft.
Das Wichtigste in Kürze
- Seniorengerechte Gestaltung ist mehr als Barrierefreiheit; sie ist soziale Gestaltung.
- Eine lückenlose Mobilitätskette (Wege, Bänke, Toiletten) ist die Grundlage für Selbstständigkeit.
- Konsumfreie Zonen und generationenübergreifende Angebote sind entscheidend für Inklusion und sozialen Zusammenhalt.
Kulturlegi und Seniorenrabatte: Wie geniessen Sie Schweizer Kultur zum halben Preis?
Soziale Teilhabe endet nicht an der Quartiergrenze. Der Zugang zu Kultur, Bildung und Freizeitaktivitäten ist ein wesentlicher Bestandteil eines erfüllten Lebens in jedem Alter. In der Schweiz gibt es ein breites Netz an Vergünstigungen, das speziell darauf abzielt, auch Menschen mit einem kleineren Budget die Teilnahme am kulturellen Leben zu ermöglichen. Die Kulturlegi von Caritas ist hierbei ein zentrales Instrument. Sie gewährt Personen mit nachweislich kleinem Einkommen, einschliesslich vieler AHV-Bezüger, erhebliche Rabatte auf Eintritte in Museen, Theater, Kinos und sogar auf Kurse.
Neben der Kulturlegi bieten viele Institutionen direkt Seniorenrabatte an. Es lohnt sich, bei Theatern, Konzertsälen oder Museen gezielt nach Tarifen für AHV-Bezüger zu fragen. Oft gibt es auch spezielle Nachmittagsvorstellungen zu reduzierten Preisen, die sich an ein älteres Publikum richten. Ein weiteres wertvolles Angebot ist der Schweizer Museumspass, der gegen eine Jahresgebühr freien Eintritt in über 500 Museen ermöglicht – eine lohnende Investition für kulturinteressierte Seniorinnen und Senioren. Diese Angebote sind keine Almosen, sondern ein anerkannter Mechanismus, um kulturelle Teilhabe als gesellschaftlichen Wert zu stärken.
Die breite Nutzung solcher Angebote zeigt deren Relevanz. Allein die Organisation Pro Senectute erreicht mit ihren vielfältigen Dienstleistungen einen grossen Teil der Zielgruppe. Laut offiziellen Angaben nutzen rund 700’000 Menschen im Pensionsalter die Angebote von Pro Senectute, die von Beratung über Kurse bis hin zu organisierten Kulturreisen reichen. Für die gemeinwohlorientierte Planung bedeutet dies, Informationen über solche Vergünstigungen aktiv zu streuen – sei es in Quartierzentren, Gemeindezeitungen oder über lokale Vereine. Denn die beste Vergünstigung nützt nichts, wenn sie nicht bekannt ist. Die Förderung der kulturellen Teilhabe ist somit auch eine Aufgabe der kommunalen Informationspolitik.
Um diese Strategien erfolgreich in die Praxis umzusetzen, müssen Stadtplaner, Gemeinden und engagierte Bürger an einem Strang ziehen. Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme im eigenen Quartier, um die Lücken in der sozialen und physischen Infrastruktur zu identifizieren und gezielte Verbesserungen auf den Weg zu bringen.
Häufige Fragen zu seniorengerechten öffentlichen Plätzen
Wer hat Anspruch auf Kulturlegi?
Personen mit kleinem Einkommen, einschliesslich AHV-Bezüger mit Ergänzungsleistungen, können die Kulturlegi beantragen.
Welche Vergünstigungen bietet der Schweizer Museumspass?
Der Pass ermöglicht freien Eintritt in über 500 Museen in der Schweiz während eines Jahres.
Gibt es spezielle Angebote für Senioren in Theatern?
Viele Theater bieten spezielle Seniorenvorstellungen am Nachmittag mit reduzierten Preisen an.